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Mögliche Anzeichen für Suizid

Zwischen zu früh und zu spät liegt oft nur ein kurzer Augenblick.schwarzerose blutet02

Selbstmord ist manchmal der Versuch, wieder die Kontrolle über sein Leben zu gewinnenschwarzerose blutet02

Im Moment wenn der Entschluss gefasst wird, erhält der kurze verbleibende Rest des Lebens wieder einen Sinnschwarzerose blutet02

Natürlich wäre es vermessen und gefährlich zu sagen, Suizid sei vorhersehbar. Häufig ist das Erkennen der Suizidalität erschwert durch Bagatellisierungs- und Verleugnungstendenzen des Betroffenen. Suizide können auch kurzschlussartig auftreten. Trotzdem gibt es in vielen Fällen Anzeichen und Schemata, die auf derartige Situationen hindeuten können. Vielfach werden sie aber nicht als ernsthaft genug eingestuft oder aus anderen Beweggründen im wahrsten Sinn des Wortes “totgeschwiegen”.
Der Suizidforscher Ringel spricht hier von einem präsuizidalem Syndrom, einem stadienhaft, gesetzmässig ablaufenden  Schemata desjenigen, der suizidal wird (eben noch nicht ist!):

1) zunehmende Einengung: Erleben von Hoffnungslosigkeit.
- situativ: Rückzug aus dem sozialen Leben, kein Kino, keine Besuche mehr, nicht mehr flexibel im Verhalten
- gefühlsmässig: Antriebsverlust, gefühlsmässiger Rückzug, Erleben von Aussichtslosigkeit

2) Aggressionsstauung: keine Aggressionsabfuhr, mangelnde Leitfähigkeit (der Gefühle), Ausrichtung der Aggression gegen sich selbst

3) Suizidfantasien: Was wäre, wenn,.... aktive Suizidgedanken oder sich passiv aufdrängend, ständige Beschäftigung mit dem Thema, evtl. Selbstmord als “Inszenierung, abschliessende Aufführung”

Man spricht dann von den drei Phasen des Suizids:
Phase der Erwägung - Phase der Ambivalenz - finale Entschlussphase

Phase der Erwägung: Der Betroffene beschäftigt sich allgemein mit dem Thema Suizid, denkt darüber nach, wie es wäre, tot zu sein.

Phase der Ambivalenz: Selbstmord wird als Möglichkeit eingestuft, seine persönlichen Probleme zu lösen. Es werden Gründe dafür und dagegen gesucht., am Leben zu bleiben. Evtl. wird mit Anderen offen darüber gesprochen. Es ist eine Phase der Unentschlossenheit, der Abwägung. Jetzt ist es sehr wichtig, den Betreffenden zu unterstützen, ihm Gründe zu vermitteln, am Leben zu bleiben. In dieser Phase ist der Betroffene noch unentschlossen und ansprechbar.

Finale Entschlussphase: In der finalen Entschlussphase  hat der Betroffene dann eine endgültige Entscheidung getroffen. Er wirkt nach außen hin ruhig, kühl und unbeteiligt, während er schon Vorbereitungsmaßnahmen trifft. Einige verschenken ihr persönliches Eigentum oder schreiben ihr Testament. In dieser Phase ist es schon sehr schwierig, wieder Zugang zum Betroffenen zu finden. Oft hat er keine Empfindungen mehr, hat seine Gefühle “abgeschaltet”. Der Betroffene wirkt erleichtert, weil er seine Entscheidung getroffen hat.

Viele Menschen suchen vor der Suizidhandlung noch einen Arzt - aber keinen Therapeuten oder Psychiater- auf, ohne aber die Suizidvorstellungen selbst anzusprechen.
Vielmehr werden häufig körperliche Beschwerden oder psychische Verstimmung  beklagt. Der eigentliche dahinterstehende Hilferuf steht nicht im Vordergrund der Beschwerden und muss im Laufe des Gesprächs erst exploriert werden. Man geht davon aus, dass bis zu 50% der Betroffenen einen Monat, ca. 25% eine Woche vorher einen Arzt aufsuchen. Insgesamt werden etwa 75% der Suizidhandlungen angekündigt.

mögliche Indikatoren:

Die folgenden Anzeichen können auf eine mögliche Gefährdung hinweisen. Je mehr Merkmale vorhanden sind, um so höher ist die Suizidgefährdung einzustufen: Viele Symptome ähneln denen der Depression. Die meisten Suizidgefährdeten leiden zumindest unter einen leichten depressiven Verstimmung. Post mortem-Untersuchungen ergaben oft auch eine erhöhte Anzahl von Serotoninrezeptoren, wie sie auch bei der Depression zu finden ist.

Psychisch:
-Erleben von drängenden Suizidgedanken
-ausgesprochene Hoffnungslosigkeit, Fehlen von Zukunftsperspektiven, Traurigkeit
-depressive Verstimmung,
-agitiertes oder gereiztes/aggressives Verhalten, Wut
-mangelnde Gesprächs-/Konsensbereitschaft
-fehlende Distanzierung von Suizidideen
-neurotisches Verhalten
-soziale Isolierung, Rückzug aus der Gesellschaft
-Selbstabwertung, Schuldgefühle
-Einengung auf die eigene, negativ erlebte Innenwelt
-erhöhte körperliche Risikobereitschaft, z.B. aggressives Autofahren
-Sätze wie “bald habe ich es hinter mir, ich bin doch nichts mehr wert, mich braucht doch keiner mehr, ich werde euch nicht länger zur Last fallen, etc. “
vor allem bei Kindern/Jugendlichen auch
-ungewohnte Vernachlässigung der persönlichen Erscheinung
-Änderung der Ess- und Schlafgewohnheiten
-Veränderungen der Persönlichkeit
-andauernde Langeweile, Konzentrationsstörungen, Nachlassen der schulischen Leistungen
-häufiges Klagen über körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Magenschmerzen
-nachlassendes Interesse an vergnügsamen Aktivitäten
-Ablehnung von Geschenken oder Belobigungen
-verschenken geliebter Sachen, ungewohntes “Aufräumen” im Sinne von Schlussstrich ziehen,
-grundloses Abbrechen von Freundschaften
-unerklärlicher Stimmungsumschwung nach einer depressiven Phase
-Wutanfälle, extreme Kritikempfindlichkeit, Weglaufen, Unfallneigung, morbide Fantasien und Tagträume, geringe Frustrationstoleranz, gesteigertes Interesse an den Themen Tod/Suizid

weitere Risikofaktoren:
-bereits erfolgte Suizidversuche
-Suizide/-versuche in der Familie
-Vorliegen einer Suchterkrankung - Alkohol, Drogen-
-erlittene traumatische Erlebnisse
-belastende Faktoren wie finanzielle Sorgen, Scheidung, Umzug, Erfolgsdruck, Gewalt/ Alkohol-/Suchtprobleme in der Familie,
-Alter, Vereinsamung
-körperliche Erkrankungen
-psych. Störungen, vor allem Depression, Schizophrenie

Vor allem bei nicht psychotisch bedingten Suiziden sind es oft massive Kränkungen, Verlusterlebnisse und krisenhafte Zuspitzungen, die dann letztlich den Ausschlag geben. Dabei werden diese belastenden Situationen  subjektiv wesentlich stärker negativ bewertet als sie bei objektiver Anschauung wirklich sind. Oftmals kommt es zu einer Kombination verschiedener Risikofaktoren: z.B. Alter, Krankheit, Depression.

Was tun?:

Im akuten Fall, bei direkter Suizidgefährdung, wenn eine entsprechende Handlung in nächster Zeit zu erwarten ist, sollte der sozialpsychiatrische Dienst der Gemeinde oder die Polizei verständigt werden. Vielleicht muss ein stationärer Aufenthalt oder eine ambulante Therapie durch entsprechend ausgebildetes Personal erfolgen. Dort ist evtl. ist auch die Gabe von Benzodiazepin-Tranquillizern, sedierenden Antidepressiva oder Neuroleptika angezeigt.
Im Vorfeld aber gibt es Empfehlungen für den Umgang mit Personen, die noch nicht akut gefährdet sind, die sich aber doch schon ziemlich konkret mit diesem Thema beschäftigen.

Wichtig ist vor allem, das Thema nicht zu tabuisieren, dies wäre nach geltender Auffassung völlig falsch. Suizidgefährdet heisst ja letzten Endes, eine Lebenskrise auf anderem Weg nicht mehr bewältigen zu können. Nicht die eigentliche Sehnsucht nach dem Tod ist hier die Triebfeder, wenngleich auch dies im eher selteneren Einzelfall zutreffen kann.
Als Motive, evtl. auch mehrere gleichzeitig kommen vielmehr in Frage:
-Erlösung von seelischem und körperlichem Leid - Depression, Angst, Krebs, Aids etc.-
-Appell, Hilferuf an die Umwelt
-Entlastung von Schuldgefühlen
-Erpressung, Versuch Kontrolle über die Umwelt zu erlangen
-Racheakt, Bestrafung einer anderen Person
-Rettung des Selbstwertgefühls
-Bilanzselbstmord: eher selten: nüchterne, rationale Abwägung zwischen Weiterleben und Tod. Interventionen sind in einem solchen Fall besonders schwer.
-Suche nach Ruhe und Geborgenheit
-Autoaggression,Aggressionen gegen sich selbst
-Wendung von Aggressionen gegen andere, die aber nicht als verletzbar gelten, auf sich selbst
-Identifikation mit einer Idolfigur (Sekten, Massenselbstmord)
-Wunsch nach Veränderung  und mehr.

In jedem Fall sind die Suizidgedanken bereits vorhanden, werden nicht durch das offene Gespräch hervorgerufen. Deswegen muss im Gegenteil das offene Gespräch gesucht werden, um Gelegenheit zu geben, andere Lösungswege aus der Krise zu finden.
Das schlimmste was wir tun können, ist Nichts zu tun.

Grundsätze:

-zuhören: Das ist einfacher gesagt, als getan. Es geht hier um aktives, verstehendes Zuhören. Der Betroffene soll das Gefühl haben, angenommen zu werden ohne sofortige Belehrung oder Verniedlichung seines Probleme. Vor allem diese Gruppe von Menschen ist äusserst sensibel und empfindsam und verschliesst sich schnell wieder, wenn sie das Gefühl haben, belehrt, nicht ernst genommen oder als selber schuld an der Situation abgestempelt zu werden. Wir neigen manchmal dazu, sofort und unverzüglich gute Ratschläge zu erteilen, offensichtliche Lösungen anzubieten und unterbrechen damit nicht selten einen gerade zustande gekommenen Dialog. Wir müssen lernen, die Dinge aus der Perspektive des Betroffenen zu sehen.

-ernst nehmen: Vielleicht sind die momentanen, krisenauslösenden Probleme objektiv gar nicht so schwerwiegend, aber sie müssen aus der subjektiven Einstellung des Betroffenen heraus betrachtet werden. Für ihn scheinen sie vielleicht unüberwindbar. Deswegen dürfen sie nicht heruntergespielt werden, nur dann ist ein fruchtbarer Dialog möglich. Auch offensichtliches Mitleid ist fehl am Platz. Ebenso müssen Suizidgedanken immer ernst genommen werden, auch wenn wir dass Gefühl haben, es besteht im eigentlichen Sinne keine Selbsttötungsabsicht. Ansonsten könnte auch hier die Situation eskalieren.

-Selbstvertrauen fördern: Sehr oft fehlt es auch an dem nötigen Selbstvertrauen, eine Krise zu überwinden. Keinesfalls sollten wir Killerphrasen verwenden, wie “alles halb so schlimm, Morgen regele ich das” Damit sagen sie mit anderen Worten: der Betroffene ist nicht selbst in der Lage, seine Probleme zu lösen, er ist unselbständig, inkompetent. Damit wird ein begonnener Dialog abrupt abgebrochen, die Person abgewertet. Dies kann auch dazu führen, dass er jetzt wenigstens einmal zeigen will, dass er etwas bis zum Ende durchführen kann, in diesem Fall sein Ableben. Die Lösung der anstehenden Probleme sollte vom Betroffenen selber kommen, er muss das Gefühl haben, dabei unterstützt, nicht aber bevormundet zu werden. Natürlich kann man mögliche Lösungen für aktuelle Probleme ansprechen, hinterfragen, ob dies ein gangbarer Weg wäre. Aber eben helfend, unterstützend und nicht bevormundend.

-entlasten: Eine weitere Massnahme ist die praktische Entlastung des Betroffenen. Vielleicht gibt es alltägliche Routinen, Arbeiten, die in der momentanen Situation überfordern. Hier kann angeboten werden, diese Aufgaben zu übernehmen, bis der Betroffene seine hauptsächlichen Probleme im
Griff hat.

-keine Schuldzuweisungen: Damit drängen wir die Person in die Defensive, fordern ihren Widerstand heraus. Letzten Endes wird auch an dieser Stelle ein begonnener offener Dialog zu Ende sein. Ausserdem muss man sich spätestens an dieser Stelle auch mit der eigenen Schuld befassen, Ein Suizidant ist nie alleine für seine Krise verantwortlich, darüber muss Klarheit herrschen.

-Sicherheit, Vertrauen, Respekt: Ein Problem ist es manchmal, das Suizidenten im Gegenüber ambivalente Gefühle auslösen, Gefühle der Hilflosigkeit oder auch der Überlegenheit, Angst vor falschem Verhalten oder auch Aggressionen. Diese Empfindungen dürfen nicht die Führung des Dialogs bestimmen, vielmehr werden Respekt, Vertraulichkeit und Sicherheit erwartet. Natürlich kann man seine Empfindungen nicht einfach unterdrücken, ohne unglaubwürdig zu wirken. Es sollte aber möglich sein, diese Gefühle so im Griff zu haben, das der Gegenüber nicht verletzt, abgewiesen wird oder den Eindruck erhält, man kann ihm sowieso nicht helfen. Provokantes Verhalten des Suizidanten sollte nicht als persönlicher Angriff gewertet werden, sondern als Ausdruck von Verzweiflung und gelassen aber keinesfalls herablassend oder beleidigt beantwortet werden.

Umdeutung: Auch dies ist ein möglicher Ansatz zur Bewältigung. Die momentane Krise kann als Chance zum Neuanfang umgedeutet werden, als Möglichkeit andere Sichtweisen zu erlangen und sein Leben positiv zu verändern. Die Suizidgedanken sind auch Ausdruck des Bestrebens, etwas zu ändern und sogesehen Zeichen für den vorhandenen Willen des Betroffenen. Nicht der Suizid selbst darf aber positiv gesehen werden, sondern nur die dahinterstehende Stärke, der Willen etwas zu verändern.
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