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   Falsches und Richtiges über den Suizid

Gefühle verändern sich, sind wandelbar, verschwinden und kommen zurück.
Doch der Tod ist endgültig und für immer.

Suizid ist endgültig und kennt kein zurück.

Falsch: Wer vom Suizid redet, wird ihn nicht begehen.

Richtig: Etwa 3 Viertel aller Suizidanten haben ihre Absicht vorher -direkt oder indirekt- angekündigt. Allerdings begehen die wenigsten Menschen, die von Suizid sprechen, auch tatsächlich einen Suizidversuch, gleichwohl sind derartige Äusserungen immer Ernst zu nehmen.
Vor allem in der Pubertät ist die Beschäftigung mit diesem Thema bei Jugendlichen sehr häufig, schätzungsweise bis zu 25% der Jugendlichen beschäftigen sich in der Adoleszenz zumindest zeitweilig mit diesem Thema. In der überwiegenden Zahl besteht aber keine konkrete Selbsttötungsabsicht, man spricht hier von Suizidideen in Abgrenzung zu den ernsthaften Suizidgedanken.

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Falsch: Suizid geschieht ohne Vorzeichen.

Richtig: Viele Beobachtungen lehren, dass Menschen, die sich das Leben nehmen, dies meist durch vielerlei Zeichen oder Handlungen ankündigen. Dazu gehört: Sich trennen von Besitz, überraschende Geschenke machen,  plötzliche,unerklärliche Freude, Sätze wie “die Welt wäre besser ohne mich, jetzt habe ich es bald hinter mir, etc”

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Falsch: Wer Suizid mit kaum tödlichen Mitteln begeht, will sich nicht unbedingt das Leben nehmen.

Richtig: Oftmals sind die Betroffenen sich nicht über die körperlichen Folgen im Klaren, z.B.  bei der Dosierung von Tabletten. Oder es wird in wirklich selbstzerstörerischer Absicht die vermeintlich schmerzlosere Todesart gewählt, die aber nicht wirklich zum Tod führt. Hier muss unterschieden werden zwischen der Absicht und der Gefährlichkeit des Versuchs.

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falsch: Wer Suizid begeht, will sterben.

richtig: Viele Menschen, die an Selbsttötung denken, schwanken zwischen dem Wunsch zu leben und dem, zu sterben; sie „spielen mit dem Tod“, und sie überlassen es den anderen, sie zu retten. Suizid ist auch ein Appel an die Umwelt, eine Verzweiflungstat, ein Hilferuf, der scheinbar einzige Ausweg aus einer Krise. Wirkliche Sehnsucht nach dem Tod ist meistens nicht der Antrieb. 
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Falsch: Besserung nach einer suizidalen Krise bedeutet das Ende des Risikos.

Richtig: Die meisten Suizide geschehen in den drei Monaten nach beginnender „Besserung“,wenn der Patient von neuem die Energie hat, selbstzerstörerische Entschlüsse auszuführen. In den 2 Jahren nach einem Suizidversuch begehen bis zu 35 % einen weiteren.

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Falsch: Verbesserung der Gefühlslage bedeutet verringertes Suizidrisiko

Richtig: Häufig begehen Menschen gerade dann Suizid, wenn sich die Stimmung und ihr Energieniveau gehoben haben. Besonders scheint dies für depressive Patienten zu gelten.
Mit dem endgültig gefassten Suizidentschluss kann auch eine gehobene Stimmung einhergehen, weil  der Betroffene nunmehr die Phase des Grübelns hinter sich lässt, für sich einen Weg aus der Krise gefunden zu haben scheint, “mit sich in Frieden ist”. ________________________________________________________________________

Falsch: Suizid ist erblich oder ein „Familienübel“.

Richtig: Er ist nicht erblich, sondern eine individuelle Erscheinung. Suizid ist im eigentlichen Sinne auch keine Krankheit, sondern nur Begleitsymptom.
Allerdings kann die Imitation eine gewisse Rolle spielen: Im Umfeld von Menschen die eine Selbsttötung ausgeführt haben  oder nach ausführlichen Berichten über Suizid (wie z.B. dem Massenselbstmord einer Sekte in den USA)  kann es im Umfeld zur Zunahme suizidalen Verhaltens kommen. Da Suizid auch häufig mit Depressionen oder Schizophrenie einhergeht und bei diesen Erkrankungen eine zumindest erblich bedingte Disposition angenommen wird, spielt zumindest indirekt Vererbung eine Rolle. Von daher können Suizidversuche in Familien gehäuft auftreten.
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Falsch: Alle, die Suizid begehen oder begehen wollen, sind psychisch krank, “verrückt”.

Richtig: Psychische Erkrankungen stellen ein hohes Risiko dar, notwendigerweise ist aber nicht jeder Suizidversuch Ausdruck einer tiefgreifenden Psychose. Die meisten Menschen, die sich das Menschen nehmen wollen, sind Herr ihrer Sinne und ihres Verstandes, aber sehr unglücklich und verzweifelt. Insofern liegt bei bis zu 90% zwar eine psychische Krise vor, aber eben keine ausgeprägte Psychose ( tiefgreifender Wandel des eigenen Erlebens, des Bezugs zur Aussenwelt).

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Falsch: Wenn man jemanden nach Suizidgedanken fragt, dann bringt man ihn erst recht darauf und löst womöglich Suizidhandlungen aus.

Richtig: Die Frage nach Suizidgedanken und den damit verbundenen Vorstellungen gilt als wichtiger Bestandteil therapeutischer Anamnese. Verdeckte Suizidgedanken führen zu weiterer Isolierung und Depression. Es werden keine Suizidvorstellungen erweckt, wenn diese nicht schon im Geheimen oder zumindest unbewusst vorhanden waren.Der grösste Fehler ist i.d.R. “nicht darüber zu sprechen”, aus welchen Gründen auch immer.

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Falsch: Die Gründe für einen Suizid sind leicht festzustellen

Richtig: In Wahrheit wissen wir nicht genau, warum Menschen sich umbringen - Wir stellen Vermutungen an. Die manchmal so offensichtlichen Auslöser wie z.B. finanzielle Schwierigkeiten oder familiäre Streitereien bedeuten nicht immer, dass auch hier die wirkliche Ursache liegt. Diese kann in frühester Kindheit oder auch ganz anderer, unbekannter Natur sein. Es wird auch nur selten  “den einen”  Grund für ein so gravierendes Ereignis geben. Nur der Auslöser, die Spitze des Eisberges ist manchmal sichtbar.
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