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Die Entwicklung des Gehirns

Gehirn-grDas Gehirn eines Neugeborenen wiegt etwa 300gr., nach einem Jahr etwa 750gr und bis zu 1300 beim Sechsjährigen. Dann steigt das Gewicht nur noch langsam und erreicht sein ungefähres “Endgewicht” in der Pubertät.. Den grössten Anteil hat dabei das Grosshirn, welches aus zwei Hälften besteht und die anderen Hirnteile bedeckt.. Die linke ist überwiegend zuständig für Sprache, Denkprozesse, Mathematik während die rechte Hälfte für Kreativität, Fantasie, räumliche Wahrnehmung, Körperkoordination und Gefühle zuständig ist. Weiter unterteilt wird z.B. in
-Stirnlappen: Arbeitsgedächtnis, Planung,Urteilsvermögen
-Hinterhauptslappen: Sehen
Schläfenlappen: Schrift, Sprache, Hören
-Scheitellappen: Kurzzeitgedächtnis, Sprache,Motorik, Körperempfindung
-limbisches System: Emotionen, Sexualverhalten
-Kleinhirn: Muskulatur, Motorik, Gleichgewicht
-Zwischenhirn: vegetative Funktionen (Wärme-Wasser-Energiehaushalt) usw.
So wird praktischer jeder Körperfunktion ein bestimmter Bereich zugeordnet und doch lassen sich die Funktionen nicht so exakt trennen, vielmehr arbeiten alle diese Bereiche zusammen, bilden ein untereinander stark vernetztes System.

Das Gehirn setzt sich aus rund 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen) zusammen, die miteinander wiederum über tausende von Synapsen verbunden sind. Man schätzt deren Summe auf 100 Billionen. Über biochemische bzw. elektrische Ströme bilden sich so weitverzweigte Kanäle, auf denen Informationen weitergegeben werden. Diese Zahlen allein geben sicherlich schon einen Eindruck von der Komplexität des Systems Gehirn.
Dieses System aus Nervenzellen und den sie verbindenden Synapsen ist einem ständigen Wandel unterzogen, vor allem aber im Kinder- und Jugendlichenalter. Zwar bilden sich auch darüber hinaus noch neue Neuronen, nach neuesten Forschungsergebnissen sogar bis ins hohe Lebensalter, werden Verbindungen auf- und abgebaut, die vorher angelegten groben Grundstrukturen verändern sich aber  i.d.R. nicht mehr grundlegend.

GehirnentwicklungBereits der Fötus hat unzählige Neuronen entwickelt, von denen bereits vor der Geburt ein grosser Teil wieder abgebaut wird. Ein Neugeborenes hat fast die gleiche Anzahl von Neuronen wie der Erwachsene, diese sind aber noch wenig miteinander vernetzt und klein. Die Neuronen des Neugeborenen haben durchschnittlich 2500 Synapsen je Neuron, bei Kleinkindern sind es bis zu 15000. Die “neuronale Leitungsgeschwindigkeit”, die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung zwischen den Nervenzellen nimmt bis zur späten Pubertät um das 16fache zu.
Das Neugeborene ist noch auf Wahrnehmung und Reaktion beschränkt. Die für komplexe Denkvorgänge wie Sprache oder räumliches, funktionales Denken zuständige Region des Gehirns liegt noch brach.
In den folgenden 3 Jahren nimmt die Zahl der Synapsen dann aber rasant zu und im Alter von 3 Jahren hat ein Kind doppelt so viele Synapsen wie ein Erwachsener. Hieran sieht man, welche Plastizität und Entwicklungsmöglichkeiten das Gehirn bietet. Gerade Kinder lernen oftmals mit erstaunlicher Leichtigkeit Sprachen oder Instrumente, sind anpassungsfähig und variabel. Dies hängt sicherlich auch mit eben jener weitverzweigten und variablen Struktur des Gehirn zusammen.
Die weitverzweigte Struktur und die damit verbundenen vielfältigen Entscheidungsmöglichkeiten bewirken aber auch eine verlangsamte Entscheidungsfähigkeit. Vielleicht versteht sie ihr Kind deswegen manchmal nicht oder braucht ewig lange: Nicht weil es nicht will, sondern weil es die Welt noch mit Kinderaugen sieht. Mit zunehmendem Alter verfestigen sich dann die Strukturen und im Erwachsenenalter nimmt die Fähigkeit ab, neues zu erlernen, sich anzupassen. Gleichzeitig werden Entscheidungen schneller getroffen, bereits gemachte Erfahrungen und damit festgelegte Denkstrukturen führen zu weniger variablen, aber schnelleren Entscheidungen. Viele Prozesse des täglichen Lebens laufen nun “automatisiert” ab.

Die nächsten Jahre der Kindheit einschliesslich der Pubertät sind dann geprägt von einem Umbau der Strukturen. Wie dieser Umbau aussieht wird nicht zuletzt auch durch die Umwelt mitbestimmt. Nicht benötigte Synapsen werden abgebaut, häufig benutzte Verzweigungen verfestigen sich. Bereits ab dem 10.Lebensjahr haben sich feste Strukturen gebildet. Persönlichkeit, Art des Denkens, Vorlieben, Leistungsfähigkeit sind bereits jetzt zu erkennen. So entsteht nach und nach eine an die Umweltbedingungen angepasste und auch von diesen geprägte Gehirnstruktur.
Dabei erfolgt der Umbau in den einzelnen Regionen nicht gleichmässig.

Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Entwicklungsfenstern oder kritischen/sensiblen Phasen. Dies bedeutet nichts anderes, als das in bestimmten Lebensabschnitten das Erlernen besonderer Fähigkeiten im Vordergrund steht, eine besonders intensive Aktivierung und Vernetzung bestimmter Gehirnregionen erfolgt. In diesen Zeitfenstern reagieren die Nervenzellen besonders intensiv mit dem Aufbau von Vernetzungen auf bestimmte Aussenreize wie Sprache, Musik oder räumliche Anregungen. Umgekehrt kann der Aufbau dieser Areale durch mangelnde Stimulation (Vernachlässigung, Traumata, ungünstiges soziales Umfeld, Krankenhausaufenthalt etc.) auch gehemmt werden.
Ausserhalb der Fenster können diese Fähigkeiten natürlich auch noch erlernt werden, aber mit grösserem Aufwand. So schliesst sich das Zeitfenster für den Spracherwerb etwa zwischen dem 5 bis 8ten Lebensjahr. Kinder könnten bis dahin problemlos zweisprachig aufwachsen, ab diesem Zeitpunkt dann sozusagen unter erschwerten Bedingungen. Das Kind ist natürlich weiterhin befähigt eine Fremdsprache zu erlernen, aber nicht mehr mit dieser natürlichen Leichtigkeit und auch meist nicht mehr akzentfrei. Die dafür nötigen Synapsen sind bereits abgebaut. Ein Baby ist befähigt jede Sprache der Welt akzentfrei nachzusprechen, ein erwachsener Europäer kann zwar die chinesische Sprache erlernen, er wird aber immer an seinem Akzent als Europäer erkennbar bleiben.
Das Fenster für die Lesefähigkeit reicht als weiteres Beispiel etwa bis zum 13 bis 15ten Lebensjahr.Der für visuelle Wahrnehmung zuständige Hinterhauptslappen erreicht die höchste Anzahl an Synapsen schon in den ersten Lebensmonaten. Das Wachstum in den Stirnlappen (Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen, Planung) ist zwischen dem 3. und 6.Lbjhr. am intensivsten.

Doch was können wir nun eigentlich aus diesem Wissen für uns an praktischen Erkenntnissen gewinnen? Sicher nicht, dass Persönlichkeit, Intelligenz und soziale Kompetenz ausschliesslich umweltgeprägt sind. Vielmehr gibt es auch hier wieder ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Das Neugeborene kommt sozusagen mit einem Computerchip auf die Welt, der genetisch bedingt durchaus unterschiedlich leistungsfähig sein kann. Doch ist dieser Chip enorm entwicklungsfähig und anpassungsfähig. Vor allem in jungen Jahren entscheidet sich nun, ob er zu einem Hochleistungschip ausgebaut wird oder eher mittelmässig bleibt. Der Mensch kommt also mit einem möglichen Potential auf die Welt  und die Umwelt, das soziale, familiäre, kulturelle Umfeld entscheidet dann darüber, inwieweit dieses Potential ausgeschöpft wird. 
Und in diesem Punkt sind sich Psychoanalytiker, Verhaltenstherapeuten und reine Naturwissenschaftler einig: Was in den Jahren der frühen Kindheit versäumt wird, kann später - wenn überhaupt - nur noch unter grössten Anstrengungen nachgeholt werden. Darüber sollten wir uns im Klaren sein.

Auch wenn jedes Kind gewisse biologische/genetische Grundlagen mit auf die Welt bringt, wird die weitere Entwicklung entscheidend durch das Umfeld geprägt, in dem es aufwächst.
Dies bedeutet für uns Eltern -aber auch die Gesellschaft als Ganzes- , Kinder aktiv zu fördern, fordern und anzuregen, ohne sie aber in ein festes Schema zu pressen. Gerade in unserer stark medienorientierten Gesellschaft besteht die Gefahr, Kinder mit Bildern  zu überfrachten und ihnen Wissen einzupauken, anstatt sie anzuregen eigene Bilder zu entwerfen. Nur wenn wir unseren Kindern die Fähigkeit erlernen lassen, eigene Wege und Lösungsmöglichkeiten zu kreieren, Fantasien zu entwickeln und mit offenen Augen kritisch durch die Welt zu gehen, geben wir ihnen die Möglichkeit, nicht von der Vielfalt und Schnelllebigkeit unserer Medien- und Wissensgesellschaft überrannt zu werden. Dabei ist vor allem aktives, selbstbestimmtes Lernen wichtig im Gegensatz zur Berieselung durch Fernsehen oder  aber auch Schule. Ein Leben ohne die Errungenschaften der Technik wie Fernseher, Handy und Computer ist heutzutage nicht mehr vorstellbar, wichtig ist jedoch ein verantwortungsbewusster und kritischer Umgang mit diesen Medien. Zuerst sollten wir also unseren Kindern die nötigen Werkzeuge wie Sprache, Lesefähigkeit, Kritikfähigkeit und emotionale Kompetenz zur Verfügung stellen bevor wir sie in unsere Gesellschaft entlassen.

Was sich auch herauslesen lässt und oft nicht vordergründig bedacht wird. Das Kind ist bereits ab Geburt darauf eingestellt, zu lernen, sich weiterzuentwickeln. Es will lernen, es ist darauf programmiert. .Zumindest bis zum Anfang der Pubertät ist es noch relativ leicht, Kinder zu motivieren. Erst danach wird es schwieriger, treten andere Interessen in den Vordergrund, werden Veränderungen nicht mehr mit dieser Leichtfertigkeit hingenommen. Deswegen sind die frühen Jahre der Kindheit für die Ausprägung der Persönlichkeit so wichtig.

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