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                                       Ursachen der Depression

Vroweg: “Die alleinige Ursache” für Depressionen gibt es in der Regel nicht. Oder wurde zumindest noch nicht gefunden. Zwar lassen sich inzwischen die körperlichen Abläufe bei einer Depression beschreiben und auch medikamentös behandeln. Doch ist es wohl noch nicht gelungen, wie eigentlich bei den meisten psychischen Erkrankungen, sich auf eine konkrete Ursache fest zu legen. Diese scheint es auch nicht zu geben, vielmehr spielen wohl eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren eine Rolle bei der Entstehung psychischer Krankheiten, bzw. hier im Speziellen der Depression. Dafür ist das “System Mensch” wohl auch zu kompliziert und vielschichtig.
Traditionell unterteilte man in:

1)psychogene Depressionen ...
sind eine Reaktion auf seelische Erlebnisse der Neuzeit
( z. B. Verlust eines Angehörigen - reaktive D.) oder der frühen Kindheit (neurotische D.). Hierunter fällt auch die Erschöpfungsdepression durch langfristige seelische/körperliche Überlastung

2)endogene Depressionen:
Hier wird eine genetische, konstitutionelle Veranlagung vermutet, die eine erhöhte Anfälligkeit bedingt. Es finden sich für die Krankheit typische Störungen im Hirnstoffwechsel.

3)somatogene Depressionen: ...
sind organisch-körperlich bedingt. Infektionen, Alterungsprozesse, Erkrankungen/Verletzungen des
Gehirns sind massgebliche Ursache.

Diese Einteilung wird neuerdings durch eine verstärkt multifaktorielle Sichtweise verdrängt:
Es kann davon ausgegangen werden, das mehrere Faktoren ursächlich bei der Entstehung einer Depression mitwirken.
Diese Sichtweise wird auch durch die Praxis bestätigt, So wirken Antidepressiva nicht nur bei nachgewiesen körperlicher Ursache, sondern auch bei psychogenen Depressionen- die Übergänge sind fliessend.
Auch die internationale Katalogisierung psychischer Störungen ICD 10 erfolgt nicht ursachen-, sondern symptomorientiert.

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Neurobiologische Ursachen:
Verschiedene Studien wiesen bei depressiven Patienten erniedrigte Konzentrationen der Botenstoffe Noradrenalin bzw. Serotonin nach.
Dabei scheint aber nicht die Konzentration eines einzelnen Botenstoffes wesentlich zu sein, sondern vielmehr ein Ungleichgewicht im Neurotransmitterhaushalt. Dieser ist mitverursachend oder zumindest Folge der Erkrankung. Neurotransmitter sind für den Transport von Informationen zwischen  Nervenzellen zuständig und steuern unser Verhalten, Denken und Fühlen. Die Stoffe Noradrenalin bzw. Serotonin  steigern in ausreichender Menge den Antrieb bzw. wirken stimmungsaufhellend.
Auch eine Störung im Hormonhaushalt könnte die Depression beeinflussen. Forschungen haben gezeigt, das bei Betroffenen das Kontrollsystem für Stresshormone gestört ist. Unter Stress wird zunächst ein Stoff namens Corticotropin-freisetzendes-Hormon (CHR) produziert, der wiederum die Produktion des Stresshormons Cortisol in der Nebennierenrinde anregt.

Dies ist eine normale Reaktion des Körpers auf hohe körperliche oder psychische Belastungen. Der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt, um  Energiereserven zu mobilisieren und den Körper widerstandsfähiger zu machen. Dieses System hat wesentlichen Einfluss auf unsere Stimmungen, Ängste und grundlegenden Körperfunktionen. So verstärkt eine hohe Konzentration von CHR die Angst, stört das Denkvermögen, führt zu Appetitlosigkeit und mindert das Sexual- und Schlafbedürfnis. Auch die Produktion der oben schon angeführten Nervenbotenstoffe Serotonin und Noradrenalin wird beeinflusst, was dann wieder Einfluss auf Wohlbefinden und Aktivität hat.

Diese noch aus Urzeiten im Menschen verankerte komplizierte und automatische  System macht den Körper sozusagen flucht- oder kampfbereit in Gefahrensituationen. Sobald die auslösende Situation vorbei ist, normalisiert sich der Hormonhaushalt wieder, die Alarmbereitschaft wird üblicherweise wieder aufgehoben.
Bei Menschen, die zur Depression neigen, eine Prädisposition zur Depression haben, scheint dieser Alarmzustand des Körpers mit all seinen dann negativen Folgen dauerhaft zu bestehen. Die Betroffenen fühlen sich ständig unter Druck, fühlen eine innere Unruhe und sind auch ohne wirklichen Anlass im Dauerstress.

Beide Systeme -Neurotransmitter- und Hormonhaushalt- beeinflussen sich gegenseitig.
Offen bleibt, ob diese Veränderungen Folge oder Ursache der Depression sind.

-Psychologische Faktoren:
Häufig finden sich vor Ausbruch der Depression belastende, kritische Lebensereignisse wie Verlust eines Menschen, Scheidung, Wochenbett oder sonstige Umstellungen der Lebensweise (Renteneintritt, Heirat). Meist ist aber kein kurzfristiger direkter kausaler Zusammenhang zu sehen sondern vielmehr eine Reaktion im Sinne einer längerdauernden Überlastung und Erschöpfung.
Bei Arbeitnehmern gelten hier z.B.
- chronische Überforderung
- geringe Einflussnahme auf die Arbeitsbedingungen
- geringe Wertschätzung der Arbeit trotz (gefühlter) hoher Belastung
- mangelnde Unterstützung
- ungerechte Behandlung
als Faktoren, die das Risiko, an einer Depression zu erkranken, wesentlich erhöhen.

Umgekehrt treten Depressionen aber auch aus heiterem Himmel ohne jegliche Veränderung im Lebensrythmus auf. Auch muss nicht unbedingt entscheidend sein, wie schwer die belastenden Umstände sind, sondern ob der Betroffene im Laufe seines Lebens gelernt hat, mit derartigen Situationen umzugehen. 
Als weitere Risikofaktoren vor allem auch bei Kindern gelten gesellschaftlich ungünstige Rahmenbedingungen wie soziale Ungleichheit, Migrationshintergrund, zu große Leistungsanforderungen, an Depression erkrankte Familienangehörige, Vernachlässigung in der Erziehung.

Erschöpfungsdepression: nach jahrelanger seelischer oder körperlicher Überbelastung.
Entlastungsdepression: Manchmal kann auch nach überstandener ungewöhnlicher Belastung , also wenn sie eigentlich nicht mehr erwartet werden dürfte, eine Depression auftreten.

-Genetische Ursachen
Familien und Zwillingsstudien konnten die genetische Disposition vor allem für bipolare affektive Störungen belegen. Das Erkrankungsrisiko für die Kinder beträgt bei einem erkrankten Elternteil 10% für unipolare, 20% für bipolare Störungen. Leiden beide Elternteile unter einer bipolaren Störung beträgt das Erkrankungsrisiko 50-60%. Bei eineiigen Zwillingen beträgt die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung beider 50-80%, bei zweieiigen noch 20%.

-Psychophysiologische, biologische Mitverursachung:

Untersuchungen ergaben bei Depressiven eine geringere Empfänglichkeit für Umweltreize und ein gedämpftes Reiz-Reaktionsmuster. Hier besteht die Möglichkeit physiologische Ursachen. Auch ergaben Schlafstudien in einigen Fällen desynchronisierte biologische Rhythmen. So hatten Depressive mehr oberflächliche und weniger Tiefschlafphasen. In einigen Fällen besteht auch eine saisonale, jahreszeitabhängige Rhythmik: saisonale Depression

-Persönlichkeitsfaktoren

Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale können die Entstehung einer Depression zu fördern.
So scheinen z.B. zwanghafte oder abhängige Persönlichkeitsstrukturen für depressive Erkrankungen anfällig zu sein. Auch Persönlichkeiten, die betont leistungsorientiert und streng zu sich selbst sind, finden sich unter den Erkrankten. Menschen, die zum Perfektionismus neigen, gelten hier als besonders gefährdet.

--psychoanalytische Modellvorstellungen:

Aus psychoanalytischer Sicht können Entwicklungsstörungen (z.B. der Mutter-Kind-Beziehung während der oralen Phase: Unter-/Überbehütung)) oder frühkindliche Erfahrungen der Hilflosigkeit zu einer depressiv-verwundbaren Persönlichkeit und dem Verlust des Selbstwertgefühls führen.  Diese “Ich-Schwäche” führt zu einer besonders hohen Verletzlichkeit gegenüber kritischen Lebensereignissen und zur Abhängigkeit von ständiger Liebeszufuhr und Unterstützung..
Ein weiterer Erklärungsversuch ist eine “missglückte” Trauerarbeit. Aus psychodynamischer Sicht erfolgt nach dem Verlust eines geliebten Menschen (durch Tod/Trennung/Zerwürfnis) eine Identifizierung mit dieser Person, aus der man sich im Rahmen der Trauerarbeit normalerweise wieder löst. Gelingt dies nicht, bestrafen die Betroffenen sich selbst für die Fehler der Identifikationsfigur.
Ein psychodynamischer Prozess aus Schuldgefühlen, Selbstanklagen und Aggressionen (vor allem unausgelebt gegen sich selbst) führt zu psych. Störungen.

-lern-/verhaltenstheoretisch gesehen

-liegen die Ursachen in einer negativen oder gestörten Wahrnehmung der eigenen Person, der Umwelt und der Zukunft. Tatsächlich erlebte negative Erlebnisse oder andauernder Stress werden verallgemeinert und es entsteht eine Wahrnehmungs- und Interpretationseinseitigkeit. Negative Erlebnisse werden überbewertet, positive nur als Vorboten für noch negativere Ereignisse angesehen.
Nach dem Konzept der “gelernten Hilflosigkeit” führt die Nichtbewältigung einer kritischen Situation zu der Einsicht, generell hilflos und auch zukünftigen kritischen Situationen wehrlos ausgeliefert zu sein. Somit wird die nächste Aufgabe mit der Einstellung “das schaffe ich sowieso nicht” angegangen, was zwangsweise wieder zu einem negativen Erlebnis führt. 
Verhaltenstheoretiker sehen als Ursache von Depressionen vor allem eine Störung der Selbstwahrnehmung und -bewertung. Die selbstgestellten Anforderungen an die eigene Person sind zu hoch und positive Erlebnisse werden unterbewertet. Wesentliches Element dieser Theorien sind auch fehlende oder verlorengegangene positive Rückmeldungen der Umwelt. Man spricht von Verstärkerverlusten, wenn durch z.B. Trennung oder Arbeitslosigkeit für das Selbstbewusstsein positive Einflüsse wegfallen.

-andere körperliche Ursachen:

Auch als Folge anderer körperlicher Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Umstellungen finden sich Depressionen.
Erster Schritt der Diagnose muss daher immer der Ausschluss organischer Ursachen sein !
Diese können vielfältiger Natur sein:
Anämie, Alkoholismus, Morbus Parkinson, Schilddrüsenerkrankungen,entzündliche Darmerkrankungen, Störungen nach Bypass-Operationen, Tbc, Aids, multiple Sklerose, Stoffwechselkrankheiten und vieles mehr.
Auch im Zuge hormoneller Umstellungen wie Wochenbett oder Wechseljahre sind affektive Störungen zu beobachten. Hormone beeinflussen maßgeblich unser Wohlbefinden und haben umfangreichen Einfluß auf unser Nervensystem.
Ebenso als Nebenwirkung einiger Medikamente können Depressionen auftreten.

Depression-multifaktorielle Ursache
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