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                                 Depression - was nun? 

Ein ganz wesentlicher Punkt muss vorangestellt werden:

Affektive Störungen gehören zu den psychischen Störungen, die sich am besten behandeln lassen
Mehr als 60% der betroffenen Patienten kann effektiv geholfen werden,
sofern die Krankheit erkannt wird , was leider in vielen Fällen noch nicht geschieht.!!

Behandlungsformen:

                             1)Psychotherapie und Psychopharmaka

Bei leichten Depressionen wirken nach momentanen Wissenstand Psychotherapie und Psychopharmakologie gleichsam erfolgreich. Sowohl mit der Therapie als auch der Verabreichung antidepressiver Mittel konnten hier ähnliche Ergebnisse erzielt werde.
Ansonsten empfiehlt sich je nach Einschätzung die medikamentöse Behandlung  - in Verbindung mit Psychotherapie oder als Akutmaßnahme bis zur Besserung und daran anschliessender bzw. begleitende Therapie.
Entsprechend der “multikausalen” Verursachung sollte auch die Therapie der Depression über das Verschreiben von Medikamenten hinausgehen.
D.h. wie bei vielen psych. Erkrankungen ist am sinnvollsten ein Bündel verschiedener Maßnahmen:
Hierzu gehören eben die medikamentöse Behandlung, therapeutische Betreuung und auch die Beratung der Angehörigen.
Dabei ist bei Kindern und Jugendlichen der Einsatz medikamentöser Behandlung mit entsprechender Sorgfalt vorzunehmen.

Die bekanntesten, wesentlichen psychotherapeutischen Verfahren sind:

- kognitive Verhaltenstherapie:

Die KV. versucht, eingefahrene negative Denkstrukuren des Patienten zu verändern.
Die Therapie basiert auf der Annahme, das negative Selbstentwertende Denk- und Wahrnehmungsweisen , Erlebnis- und Verhaltensmuster die Depression bedingen und nähren.
Diese gilt es zu ändern

tiefenpsychologisch fundierte oder
-psychoanalytische Therapie:

Hierbei wird von psychodynamischen Konflikten -vor allem in der frühen Kindheit - ausgegangen.(Traumata, Verlusterlebnisse,Scheidung etc).Diese nicht bewältigten Konflikte und die daraus entstandene Persönlichkeit des Patienten werden als ursächlich für den Ausbruch der Krankheit gesehen.Die nachträgliche Aufarbeitung (-ans Licht bringen-) dieser Geschehnisse und die therapeutische Behandlung der prämorbiden Persönlichkeitszüge wie Selbstüberforderung, Hemmungen und Selbstunsicherheit stehen im Vordergrund.

Ergotherapie:

Die Beschäftigungs/ Arbeitstherapie ist wichtig in der stationären Behandlung.Im Mittelpunkt steht hierbei die Tagesstrukturierung.Wie der Name schon sagt, geht es um “Beschäftigung” des Patienten. Kreative Fähigkeiten sollen gefördert werden -z.B. künstlerische Talente- sowie Ausdauer und Konzentration gestärkt werden. 

-Lichttherapie:

Vor allem bei der in den letzten Jahren verstärkt zu beobachtenden saisonalen Depression (Winterdepression) kann Licht eine Besserung des Befindens bewirken.Der Patient wird bis zu 2 Stunden täglich sehr starkem Licht ausgesetzt.- mindesten 2000 Lux, entsprechend einem hellen Sonnentag-Der Leuchtkörper wird etwa 90 cm vom Erkrankten aufgestellt, dieser soll jede Minute ein paar Sekunden in das Licht schauen.Die Wirkung der Therapie erfolgt scheinbar ausschliesslich über die Augen.Die Dauer der Therapie beträgt etwa eine Woche, bei Kombination mit Psychopharmaka ist eine augenärztliche Kontrolluntersuchung angeraten.


-Schlafentzug:

Zumal viele Depressive unter Durchschlafstörungen mit morgendlichem Früherwachen leiden, wurden Untersuchungen zum Thema Schlafentzug durchgeführt. Man stellte fest, dass sich depressive Patienten nach einer schlaflos verbrachten Nacht für mehrere Tage wesentlich besser fühlten.Dabei ist es unerheblich, ob ein totaler Schlafentzug oder ein partieller (ab 1.ooUhr,2te Nachthälfte)angewendet wurde. Wichtig ist, das der Patient während dieser Zeit nicht einnickt, sondern wirklich wach bleibt. Die Therapie wird i.d.R. 1-2mal die Woche durchgeführt, meist in Verbindung mit Antidepressiva.

-Elektrokrampftherapie:

Diese wird vor allem bei schweren Depressionen mit Wahnsymptomatik ,hoher Suizidgefahr oder depressivem Stupor (Erstarrung) eingesetzt, bzw. wenn medikamentöse Behandlung keinen Erfolg bringt. Das Verfahren wurde bereits 1937 von den italienischen Ärzten Cerletti und Bini eingeführt und induziert einen Krampfanfall durch elektrische Reizung des Zentralnervensystems.Unter Einwilligung des Patienten, Muskelentspannung und Kurznarkose mit Beatmung durch einen Anästhesisten wird in der Schläfengegend über eine Elektrode ein 3-5 sec dauernder Stromfluss induziert.Die Behandlung ist kurzfristig , wenn auch nicht dauerhaft wirksam und wird deshalb ca. 3mal die Woche, insgesamt 6 bis 12mal wiederholt. Die genaue Wirkweise ist auch hier noch nicht bekannt, der Hirnstoffwechsel wird aber anscheinend gefördert oder reguliert. Auch wenn die Methode wesentlich sicherer geworden ist, kann es zu partiellen Gedächtnisverlusten kommen

                           Was kann die Familie/Umwelt tun ?

  • -Bedenken Sie, dass es sich um eine “Krankheit” handelt.
    Sprüche wie -reiss dich mal zusammen oder ist doch alles halb so schlimm- sind fehl am Platz. Im Gegenteil fördern diese nur die Schuldgefühle des Erkrankten und seine Ansicht, versagt zu haben und selbst mit alltäglichen Problemen nicht mehr fertig zu werden.
  • -Genausowenig ist es ratsam, den Betroffenen zu bemuttern, ihm “väterliche” Ratschläge zu erteilen. Nur allzu gerne ergibt sich der Depressive in sein Schicksal und in die Abhängigkeit von anderen. Eine derartige Abhängigkeit verstärkt das Gefühl der Hilflosigkeit und unterdrückt die Selbstheilungskräfte. In der Therapie spricht man in einem solchen Fall auch von komplementärer Kommunikation.
  • -Der Patient will ernst genommen werden. Bieten Sie eine Schulter zum Ausweinen und Zeit für Gespräche an.
  • -Oft bestehen Vorbehalte, wenn es heisst, der Partner ist psychisch gestört. Sprechen Sie offen im Freundeskreis darüber, informieren sie sich und andere zu diesem Thema. Scham ist falsch am Platz und vor allem: Isolieren Sie sich nicht von ihrem Bekanntenkreis eben aus jenen ungerechtfertigten Schamgefühlen heraus.
  • -Die Umgebung eines Depressiven steht unter enormen Druck. Die Gespräche drehen sich immer wieder um dieselben, negativen Themen und es ist viel Kraft und Verständnis notwendig, die Belastung für die Angehörigen kann enorm sein. Depression kann “ansteckend” sein.
    Seien Sie sich dessen bewusst und schaffen Sie sich selbst Freiräume.
  • -Erwarten Sie nicht zuviel von sich selbst und ziehen Sie sich nicht selbst aus ihren sozialen Kontakten zurück. Ein überforderter Helfer am Rande des eigenen Zusammenbruchs ist das Schlimmste, was passieren kann. Deswegen sollten Angehörige auch an die eigene Gesundheit denken, ohne Schuldgefühle zu haben, wenn sie sich eine Auszeit können.
  • -Überfordern Sie den Patienten nicht. Die Depression ist oftmals eine sehr langwierige Krankheit, bei der sich Besserungen nur sehr langsam einstellen. Zu hoch gesteckte Ziele, die nicht erreicht werden, verschlimmern die Lage nur. Sinnvoller ist es, die Aktivitäten in kleinen ,erreichbaren Schritten zu steigern. Gerade am Anfang Muss auch der Patient lernen, mit seiner Antriebslosigkeit umzugehen, sich auch einmal bewusst “fallen zu lassen”, ohne wiederum Schuldgefühle deswegen zu entwickeln.
  • -Sorgen Sie für einen geregelten Tagesablauf, ohne das es jedoch in Bevormundung ausartet.
    Da es dem Patienten schwerfällt, selbst einfache Entscheidungen zu treffen und von sich aus aktiv zu werden, hilft ihm ein fest strukturierter Tagesplan. Versuchen sie einen regelmäßigen Lebensrhytmus zu finden und beizubehalten. Dies schliesst z.B. Aufstehen, zu Bett gehen, Essenszeiten, spezielle Aktivitäten (Sport,Spazieren,..) mit ein.
  • -Sinnvoll ist es auch, regelmässig Aktivitäten einzuplanen. Vielleicht gibt es ein Hobby, dem zumindest früher gerne nachgegangen wurde.  Auch sportliche Betätigung ist ein guter Ansatz. Vereinbaren sie zum Beispiel regelmässig einen feste Zeit für einen Spaziergang. Sport hat nachweislich einen guten therapeutischen Wert. Vor allem leichtes Joggen gilt als besonders wirksam.
  • -Versuchen sie das ständige Grübeln durch evtl. noch bestehende Interessen zu unterbrechen. Musik, Bastelarbeiten, Kunst, lesen etc.
    Gartenarbeit z.B. verbindet ideal körperliche Betätigung mit Ablenkung.
  • -Glauben Sie nicht, mit der Situation alleine fertig zu werden.
    Ohne therapeutische/ärztliche Hilfe ist eine echte Depression i.d.R. nicht zu bezwingen und es besteht die Gefahr, dass Partner und Familie des Betroffenen selbst nervlich überfordert sind, was die Situation noch verschlimmern würde.
    Deswegen zögern sie nicht, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen oder eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen.
  • -Anstehende wichtige Entscheidungen (Umzug, berufliche Veränderung,Hausbau) sollten in dieser Phase sofern möglich nicht getroffen werden. Der Erkrankte ist wahrscheinlich nicht in der Lage, eine Entscheidung zu fällen , geschweige denn die daraus entstehenden Konsequenzen und Belastungen zu verkraften. Wahrscheinlich wird er auch jede getroffene Entscheidung anzweifeln.
  • -Nehmen Sie Selbstmordgedanken ernst und wischen Sie diese nicht leichtfertig vom Tisch. Je emotionsloser, sachlicher der Erkrankte über diese Thema spricht, desto grösser die Gefahr.Vielleicht hat er innerlich bereits mit dem Leben abgeschlossen und der Suizid stellt sich für ihn nur noch als eine technische Sache dar. Geben Sie Gelegenheit, darüber zu sprechen, beobachten Sie und informieren Sie den behandelnden Arzt.
  • -Wenn eine Behandlung mit Medikamenten beschlossen ist, achten Sie auf die regelmässige Einnahme. Auch hier bietet sich ein fester zeitlicher Rhythmus an. Auch wenn eine vermeintliche Besserung eintritt, ist die weitere Einnahme der Medikamente unabdinglich.
  • Wichtig für alle, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, welche an einer Depression leiden: Akzeptieren und  vermitteln sie, dass es sich ebenso wie bei körperlichen Störungen um eine Krankheit handelt.
    Erklären sie dem Kind, das es nicht anders oder “fremdartig” ist, sondern eben krank und das man ihm helfen kann und wird, diese Erkrankung zu überwinden. Geben sie ihm Rückzugsräume, ohne störendes Verhalten zu akzeptieren. Ermuntern sie zu kleinen Schritten und zeigen sie , das sie auch kleine Erfolge bemerken, loben sie - wenn auch nicht überschwenglich und übertrieben. Bleiben sie bei all dem sie selbst. Wichtig ist die Einbindung in soziale Gruppen, -Schule, Freundeskreis, Vereine- . Es ist ratsam zu verhindern, das ihr Kind sich aus dem gesellschaftlichem Umfeld zurückzieht, ohne es dabei zu überfordern. Mut machen, anreizen, erklären - aber keinen Druck machen.
  • -Vielfach hilft das Führen eines Tagebuches, in dem schlechte aber auch vor allem gute oder “weniger schlechte” Momente festgehalten werden. Dies kann hilfreich sein zur Erkenntnis, das es selbst im Leben eines depressiv Erkrankten erfreuliche Momente gibt, wenngleich diese vielleicht nicht so erlebt werden.

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