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Kinder und Depressionen

Depressionen vermutet man zwar überwiegend bei Erwachsenen und auch in medizinischen Kreisen galt die Depression lange als Erwachsenenerkrankung. Doch auch Kinder und vor allem Jugendliche sind augenscheinlich davon bereits betroffenen. Auch hier gibt es viele Statistiken, unterschiedliche Zahlen und vor allem viele von - bis - Werte. Die Schätzungen wonach Jugendliche schon mal an einer Depression gelitten haben oder leiden schwanken zwischen 0,3 % bis zu 10 % . Manien scheinen nur selten vorzukommen.
Ein ungefähres Bild geben wohl folgende Zahlen:
- etwa 1% bei Vorschulkindern
- etwa 2% der Schulkinder
- etwa 5% der älteren Jugendlichen  leiden oder litten bereits ein mal unter einer Depression.
Wichtig ist vor allem die dabei zu beobachtende Tendenz:: Mit steigendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit und steigt mit der Pubertät spürbar an. D.h. bei Vorschulkindern ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, bei Jugendlichen steigt das Risiko wesentlich an.

Depression-Leben im DunkelnSchwieriger ist sicherlich das Erkennen einer behandlungsbedürftigen Depression bei Kindern. Dafür gibt es verschiedene Gründe:
Zum einen fällt es Eltern von Natur aus schwer sich vorzustellen, ihr Kind könnte psychisch erkrankt sein, unter Depressionen leiden. In diesem Alter erwartet die Umwelt noch keine Depressionen und psych. Erkrankungen hinterlassen in unserer Gesellschaft immer noch einen pelzigen Beigeschmack auf der Zunge, obwohl sie längst zum Alltag medizinischer Versorgung gehören.

Zum anderen fühlen Kinder zwar, wenn sie traurig und niedergeschlagen sind, doch sind sie vielfach noch nicht in der Lage, diese Gefühle anderen gegenüber zu schildern und begreiflich zu machen. Zumal es oft nicht diese Gefühle sind, welche die depressive Stimmung kennzeichnen. Sondern vielmehr das Fehlen von Gefühlen, eine unerklärliche innere Leere.

Auch sind Kinder ja von Natur aus großen Stimmungsschwankungen unterworfen, zeigen ihre Empfindungen viel offener und ausgeprägter oder aber haben noch nicht gelernt, ihre Gefühle offen zu kommunizieren und verstecken diese hinter teils entgegengesetzten Emotionen .
So ist es völlig normal, wenn Kinder mal von tiefer Traurigkeit überfallen werden, selbst wenn Eltern keinen Grund dafür sehen. Andererseits kann z.B. ein aggressives, arrogantes Auftreten auch Zeichen von Unsicherheit sein.
Kleinere Kinder haben vielfach Phasen, in denen die Angst im Vordergrund steht: Angst vor dem Fremden, Unbekannten. Angst vor der Zukunft, dem Erwachsenwerden, der körperlichen Veränderung.
Auch ziehen sich Kinder im Laufe ihrer Entwicklungsphasen oftmals gerne zurück, wollen in Ruhe gelassen werden. Manchen Kindern ist dann zeitweilig auch das “Kuscheln” mit den Eltern eher unangenehm, fühlen sie sich doch schon zu groß für solche Kindereien.
Vor allem in der Pubertät mit ihren vielfältigen Stimmungsschwankungen kann es zu einem völligen Rückzug aus dem Familienleben und Gefühlen von Weltschmerz, Melancholie und Trauer kommen.

Unter Depression wird allgemein Rückzug verstanden, traurig und melancholisch sein.
Doch Kinder können von diesem typischen Schema abweichen und zeigen vielfach andere Symptome.
Im Einzelfall können Kinder verstärkt aggressiv reagieren, mürrisches Verhalten und Langeweile zeigen, Konflikte suchen. Da dies auch typische Verhaltensweisen pubertierender Teenager sind, wird derartiges Verhalten oftmals der Pubertät zugeschrieben, auch wenn eine Depression vorliegt.
Generell zeigen Kinder in ihren verschiedenen Entwicklungsstufen oftmals wechselhaftes und unberechenbares Verhalten. Das ist Bestandteil der normalen Entwicklung und Selbstfindung, erschwert aber das Erkennen einer evtl. vorliegenden Depression.
Denn gerade diese typischen Verhaltensweisen heranwachsender Kinder gelten auch als Indiz für eine vorliegende Depression:

...Bei Kindern im Vorschulalter gelten erhöhte Ängstlichkeit, Schüchternheit, Gefühlsausbrüche oder Verhaltensauffälligkeiten als mögliche Symptome. Hierzu gehören auch Kinder, die “nicht spielen können”, oft mit anderen streiten oder beim spielen einfach nur stören wollen. Es treten unspezifische körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen auf. Manche Kinder sind traurig oder apathisch, weinen schnell, können diese Gefühle aber nicht erklären. Einige Kinder nehmen stark ab oder zu. Entwicklungsverzögerungen (Sprache, Motorik) können auftreten, Mache Kinder gelten als “pflegeleicht”, weil sie alles akzeptieren, keine Widerworte geben.

...bei Schulkindern können mangelndes Selbstbewusstsein, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und mangelnde Motivation, erhöhte Selbstkritik, Schuldgefühle oder Gedächtnisstörungen erste Anzeichen sein. Folge ist meist auch eine auffällige Beeinträchtigung der schulischen Leistungen. In diesem Alter tritt dann auch schon die typische depressive Verstimmung auf, Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit. Diese Gefühle werden aber im Einzelfall nach außen durch gegenteiliges Verhalten gezeigt. Die Kinder sind unruhig und überaktiv, verstecken ihre depressive, freudlose Grundstimmung hinter scheinbarer Übermotivation. Aggressivität , zerstörerisches Verhalten oder gar das Quälen von Mitschülern ist ebenfalls möglicher Hinweis auf eine affektive Störung.

...Jugendliche zeigen in vielen Fällen verstärkt Appetit- oder Schlafstörungen. Gestörtes Essverhalten ist häufig zu beobachten, wobei die Depression aber auch Folge und nicht Ursache einer Essstörung sein kann. Rückzug und aufsässiges, verletzendes oder selbstverletzendes Verhalten, Misstrauen und Minderwertigkeitsgefühle sind möglich. Die Jugendlichen hadern mit sich und der Welt. Mit zunehmendem Alter sind verstärkt Suizidgedanken möglich.

Wenn man diese kurze Aufzählung aufmerksam betrachtet, fällt die Schwierigkeit der Diagnostizierung einer Depression sofort ins Auge.
Welches Kind hat nicht mal Bauchschmerzen, wenn es in den Kindergarten oder die Grundschule gehen soll? Wer verbindet schlechte schulische Leistungen mit dem Thema Depression? Wer hat als Kind nicht Phasen unspezifischer Angst durchlebt.?  Die Beschäftigung Jugendlicher mit dem Thema Tod als Bestandteil ihrer geistigen Entwicklung ist üblich: Was bedeutet tot sein, was kommt danach, warum stirbt man überhaupt? Davon abzugrenzen sind ernsthafte Suizidgedanken. Diese gelten in erster Linie als Anzeichen für eine fortgeschrittene Depression.
Wie sollen Eltern normale altersabhängige Entwicklungen von einer depressiven Erkrankung unterscheiden. Letztlich wird bei begründetem Verdacht dies nur der Arzt unterscheiden können. Doch wenn mehrere der typischen Symptome über einen längeren Zeitraum auftreten sollten Eltern evtl. die Möglichkeit einer depressiven Erkrankung erwägen.

  • Wenn ein Kind oder Jugendlicher ohne anderen erkennbaren Grund und über längere Zeit
  • ...gravierende Verhaltensänderungen zeigt,
  • sich aus dem  gesellschaftlichen und familiären Leben zurückzieht,
    eine generelle Traurigkeit und Freudlosigkeit zeigt,
  • antriebslos und rasch erschöpft oder ständig aggressiv gereizt ist
  • sich nichts zutraut, sich für “wertlos”, schlechter als andere anderen hält,
  • ohne erkennbaren Grund häufig weint, bedrückt ist, kaum noch unaufgefordert spricht,
  • die Zukunft schwarz sieht, unspezifische Zukunftsangst, Alpträume hat
  • körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Appetitmangel, Kopfschmerzen, rasche Erschöpfung, Tagesmüdigkeit zeigt oder übermässig viel isst,
  • Konzentrations..., Gedächtnisstörungen zeigt
  • das Kind dauerhaft keine Lust zum Spielen oder zu irgendwelchen Beschäftigungen zeigt
  • die Leistungen in Schule oder Vereinen, Arbeitsgemeinschaften erheblich nachlassen
  • sich mit dem Thema Suizid beschäftigt.
  • “regressive” Symptome wie Nägelkauen, Naschsucht,Daumenlutschen, sekundäre Enuresis (Bettnässen, nachdem das Kind bereits lange trocken war) vorliegen

......dann könnte eine Depression vorliegen.
Dabei ist es in vielen Fällen nicht die “reine” Depression, sondern vielmehr können andere psych. Störungen gleichzeitig auftreten oder Ursache der Depression sein: (Trennung-)Ängste, Schulphobien, Störungen des Sozialverhaltens, Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen, Essstörungen, Zwänge. Bei schulischen Leistungsstörungen ist auch abzuklären, ob nicht eine Lese-/Rechtschreib- oder Rechenschwäche vorliegt.
Generell gilt: Je früher eine Störung erkannt wird, desto besser. Liegt eine psych. Störung vor, ist ärztliche Hilfe unabdingbar. Störungen dieser Art “verwachsen” sich nicht, sondern werden im Gegenteil teils chronisch, verschlimmern sich oder begleiten dann auch den erwachsenen Menschen.

                                                                                                                         
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