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                                        2)Psychopharmaka

Im Mittelpunkt der medikamentösen Behandlung stehen Antidepressiva. Naturgemäß bestehen zahlreiche Vorbehalte gegen die Einnahme von “Psychopillen” und selbstverständlich ist ihre Einnahme vor allem auch bei Kindern mit der nötigen Sorgfalt vorzunehmen. Man sollte aber bei allen Vorbehalten bedenken: Depressionen können unbehandelt (leider manchmal auch trotz Behandlung) chronisch werden oder über viele Jahre andauern und sind überdurchschnittlich oft Ursache für Suizide.

Allgemeines:

Antidepressiva werden nicht nur bei Depressionen eingesetzt, sondern kommen auch bei Angst-/Panikstörungen, Zwangsstörungen und teilweise bei Schlafstörungen zum Einsatz.
Sie wirken stimmungsaufhellend, angstlösend und antriebsregulierend.Ihre Verwendung wird in der Regel bestimmt durch die Zielsymptomatik, auf welche das Medikament die beste Wirkung hat. Aus klassischer Sicht unterscheidet man grob in
- antriebssteigernde, psychomotorisch aktivierende

- depressionslösende, (Antriebs-) neutrale

- sedierende,psychomotorisch dämpfende Mittel.

Bei einer agitierten Depression z.B.(der Patient ist ängstlich,getrieben,unruhig) sind eher dämpfende Mittel einzusetzen, bei einer psychomotorisch gehemmten Depression entsprechend antriebssteigernde Mittel in vorsichtiger Dosierung.

wichtig: werden antriebssteigernde Antidepressiva verordnet, tritt die hemmungslösende Wirkung vor der Stimmungsaufhellung ein. Dies kann eine vorliegende Suizidgefahr erhöhen. Vor allem depressive Patienten haben oftmals suizidale Gedanken, aber nicht die notwendige Energie zur Durchführung. Die therapeutisch gewollte Antriebssteigerung kann somit im Einzelfall tragische Folgen haben.. Es empfiehlt sich daher die geringstnötige Dosierung oder die gleichzeitige Gabe eines Tranquilizers zur Beruhigung und emotionalen Entspannung. Wichtig ist auf jeden Fall die Verhaltensbeobachtung, vor allem auch bei Kindern und bevorzugt in den ersten Wochen der medikamentösen Therapie. Auch verstärkte Aggressionen können Folge einer Antidepressivaeinahme sein.
Besteht Suizidgefahr werden oftmals eher sedierende Mittel verwendet.

In der Praxis ist die Symptomatik einer Depression aber meistens nicht so eindeutig und von Stimmungsschwankungen verzerrt, die Auswahl unter den zahlreichen Medikamenten von daher schwierig, Auch dies ein Grund, warum der letztendliche Einsatz eines Mittels über die praktische Wirkung definiert wird und manchmal erst “Ausprobieren” zum Erfolg führt.

Ihre Wirkung setzt erst nach  2-6 Wochen ein, weshalb erst nach einer längeren Behandlungsdauer eine erste Aussage über ihre Wirksamkeit gemacht werden kann.

Eine grosse Rolle spielt auch die optimale Dosierung, diese kann oftmals nur durch “Ausprobieren”eingestellt werden. Beginnend mit der kleinsten Dosis wird diese schrittweise bis zur optimalen Einstellung verändert. Auch das Absetzen des Mittels erfolgt umgekehrt schrittweise.

Im Gegensatz zur Wirkung treten die Nebenwirkungen sehr rasch ein. Vor allem bei den klassischen (trizyklischen) Antidepressiva führen die “anticholinergen” Eigenschaften (d.h. diese Substanzen haben Einfluss auf den Acetylcholinhaushalt des Körpers) und die Beeinflussung der sonstigen Botenstoffe oftmals zu Nebenwirkungen wie
- Herzrythmusstörungen, Blutdruckveränderungen, Zittern,  Mundtrockenheit, Blasenentleerungsstörungen, Verstopfung, Schwitzen, Pupillenerweiterung

Diese können zwar unangenehm sein, sind aber ausser bei Risikogruppen - z.B.älteren oder körperlich vorbelasteten Patienten- meistens relativ ungefährlich. Bei antriebssteigernden Mitteln kann es zu Schlafstörungen kommen. In vielen Fällen verschwinden diese Nebenwirkungen aber auch im Verlauf der Behandlung. Manche Nebenwirkungen können auch durch Gabe anderer Arzneien begleitend therapiert werden. Schwere Nebenwirkungen wie Glaukomanfall(grauer Star),Krampfanfälle, Delire(vor allem bei Kombination mir Neuroleptika), Harnverhalt, Blutbildveränderungen sind eher selten.

Beim Gesunden haben Antidepressiva keinen Einfluss auf die Stimmung. Es besteht kein -zumindest physisches- Abhängigkeitsrisiko. Auch nach Abklingen der depressiven Symptome werden die Medikamente noch bis zu 1 Jahr weiterverschrieben, um einen Rückfall zu vermeiden.

Eine Kombination verschiedener Präparate ist nicht empfehlenswert. Die Gabe verschiedener Wirkgruppen führt zu Wechselwirkungen wir Bewusstseinsstörungen, Muskelzuckungen.

Bewährt hat sich vor allem die Gruppe der sogenannten

-trizyklischen Antidepressiva

(den Namen haben diese wegen ihres aus drei ringförmigen Bausteinen bestehenden chemischen Gerüsts) Sie werden seit den 50er Jahren eingesetzt und erhöhen die Konzentration der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin im synaptischen Spalt. Sie greifen aber auch in den Histamin- oder Dopaminhaushalt eingreifen. Ihr Wirkspektrum ist sehr breit gefächert.
Sie können bei allen depressiven Erkrankungen -bevorzugt aber in schweren Fällen- eingesetzt werden. Nachteilig sind ihre anticholinergen Nebenwirkungen. (siehe oben)
Ein nicht zu unterschätzendes Problem ist auch ihre oft appetitsteigernde Wirkung. Eine starke Gewichtszunahme und die damit verbundenen Nachteile für die Psyche eines Betroffenen kann eine Depression wiederum verstärken oder ihre Therapie erschweren.
Inzwischen sind auch sogenannte tetrazyklische Mittel in Verwendung, die bei ähnlicher aber nicht ganz so starker Wirkung geringere anticholinerge Nebenwirkungen zeigen.

-Mao-Hemmer

Die sogenannten Monoaminooxidasehemmer-Hemmer sorgen für einen langsameren Abbau der Botenstoffe zwischen den Gehirnzellen. Auf Grund ihrer Wirkweise muss der Patient eine spezielle Diät einhalten, um gefährlichen Bluthochdruck zu vermeiden. Thyraminhaltige Lebensmittel wie einige fermentierte Käse- oder Weinsorten (Chianti), Wild müssen vermieden werden.Sie wirken antriebssteigernd, vor allem die älteren Mittel haben aber starke Nebenwirkungen. Unruhe,Angstzustände, Übelkeit und Schlafstörungen können auftreten.
Sie haben aber nicht die anticholinergen Eigenschaften der trizyklischen Antidepressiva und sind somit eine Alternative, wenn ein Patient unter diesen besonders leidet.
Inzwischen sind auch neuere MAO-Hemmer -sog.reversible,selektive Mao-Hemmer- mit geringeren Nebenwirkungen (niedriger Blutdruck,Schlafstörungen) und ohne Diätzwang im Einsatz.
Mao-Hemmer werden auch bei Panikattacken eingesetzt, ihre Wirkung tritt meist schon in den ersten Tagen ein.

-SSRI

Erst seit den 90er Jahren werden die Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer verschrieben, aber mit wachsendem Erfolg bevorzugt bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Sie wirken vor allem stimmungsaufhellend, angstlösend und aktivierend. SSRI beeinflussen gezielt nur die Wiederaufnahme des Botenstoffs Serotonin und haben deswegen auch relativ wenige Nebenwirkungen. Übelkeit und Erbrechen können bisweilen auftreten. Die anticholinerge(Mundtrockenheit, Verstopfung, verminderte Tränenproduktion, Störungen der Fähigkeit des Auges, scharf zu stellen, Pupillenerweiterung aber auch eine Steigerung der Herzfrequenz.), appetitsteigernde und sedierende Wirkung ist nur gering. Schwere Nebenwirkungen wurden kaum beobachtet. Serotonerge Antidepressiva werden auch bei Zwangsstörungen empfohlen sowie körperlich vorbelasteten (multimorbiden) Alterspatienten wegen ihrer schwächeren anticholoinergen Nebenwirkungen.

-Stimmungsstabilisierer/Phasenprophylaktika

Diese Mittel haben den Zweck, das Wiederauftreten künftiger affektiver Krankheitsphasen zu verhindern oder Ausmass bzw. Dauer abzuschwächen. In der Langzeitbehandlung zur Vermeidung von Rückfallen am bekanntesten dürfte Lithium sein. Es wird weniger in der Akutbehandlung als vielmehr zur Rezidivprophylaxe vorbeugend auch über Jahre eingesetzt, bevorzugt bei manisch depressiven Erkrankungen, aber auch bei affektiven- bzw. schizoaffektiven Psychosen. Seine genaue biochemische Wirkweise ,die erst nach monatelanger Einnahme einsetzt, ist noch weitgehend unbekannt, seine Wirkung aber bewiesen.
Allerdings ist Lithium in Überdosierung giftig und es können zahlreiche Nebenwirkungen auftreten:  (Zittern,Gewichtszunahme,Magen-Darm-Störungen,Übelkeit, (schwere)Nierenschäden vor allem bei mangelnder Flüssigkeitszufuhr oder krankhaftem Flüssigkeitsverlust, Muskelschwäche, Konzentrationsstörungen, Delir,etc)
Lithium ist daher kein Mittel erster Wahl, sondern wird vor allem verwendet, wenn andere Mittel nicht wirken oder vorbeugend bei der Gefahr von Rückfallen bei mehrphasigen Erkrankungen.
Eine regelmässige ärztliche Kontrolle (Blutbild und Nierenfunktion) ist wichtig.

-Johanniskrautextrakt

-ist ein bei leichten bis mittleren Depressionen wirksames pflanzliches Mittel. Die in den frei erhältlichen Produkten enthaltenen Dosen des Wirkstoffes Hypericin sind aber meist zu gering um nachweislich positive Effekte zu erzielen. Empfohlen wird eine tägliche Dosis von ca. 900mg. Ansonsten stellt dieses Mittel zumindest bei leichteren Erkrankungen eine relativ nebenwirkungsarme Alternative dar, zumal, wie bei allen Psychopharmaka, auch der Placeboeffekt bereits eine gewisse Rolle spielen kann.
Bei starker Überdosierung kann es zu erhöhter Lichtempfindlichkeit und Hautschädigungen (Sonnenbrand, Hautreizungen-/rötungen) kommen. Bei einigen Medikamenten kann deren Wirksamkeit herabgesetzt werden. Als Beispiele werden z.B. einige gerinnungshemmende Medikamente, Mittel gegen HIV-Infektionen genannt. Deswegen sollte bei gleichzeitiger Einnahme anderer Arzneien der Arzt befragt werden.
Andere Symptome sind offenbar Magen-Darm-Beschwerden, leichte Übelkeit, Appetitlosigkeit und Magendrücken, allergische Reaktionen sowie Müdigkeit, innere Unruhe und Schwindelneigung. Allerdings nicht sehr ausgeprägt und eher selten. Bei Schwangerschaften und während der Stillzeit wird mangels entsprechender Untersuchungen und Erfahrungen von einer Einnahme abgeraten.

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