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Persönlichkeitsstörungen

In der einen Kultur ein verehrter
Heiliger, in der anderen eine gestörte
Persönlichkeit

                                           Kurze Theorie der Persönlichkeit

Persönlichkeit ist “die Summe der psychophysischen Eigenschaften einer Person, die das individuelle Verhalten und Erleben bestimmen” (Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch)
Das klingt eigentlich einfach und jeder weiss prinzipiell, was Persönlichkeit bedeutet. Schwieriger wird es aber, Sie mit eigenen Worten umfassend zu erklären. Noch schwieriger aber ist es, die Persönlichkeit eines Menschen beurteilen? Schon immer versuchte die Wissenschaft, menschliche Persönlichkeit  wissenschaftlich zu definieren, zu katalogisieren und in berechenbare Schemata einzuteilen, allerdings ohne Erfolg. Dabei lässt sich auch die Frage, in welchem Umfang Persönlichkeit angeboren oder “erlernt” ist, nicht schlüssig beantworten.

Im alten Griechenland unterschied Hippokrates (4oo v.Chr.) nach der sog. Säftelehre vier Persönlichkeitstypen. Gemäss  Hippokrates fliessen durch den menschlichen Körper vier Flüssigkeiten, von denen jede für ein bestimmtes Temperament zuständig ist.:

-Sanguiniker (Blut): sorglos, heiter, aktiv, leichtblütig

-Phlegmatiker (Schleim) : teilnahmslos, schwerfällig, kaltblütig

-Melancholiker (schwarze Galle): traurig,  grüblerisch, schwerblütig

Choleriker (Gelbe Galle): leicht reizbar, erregbar, heftig

Allerdings ist die alleinige Einteilung des Menschen nach Temperament nicht realistisch, da der Einzelne üblicherweise Anteile aus allen Kategorien besitzt. Wäre er mühelos und dauerhaft in eine der Kategorien einteilbar, bestünde die Möglichkeit einer Persönlichkeitsstörung.

 

Lange Zeit wurde die Persönlichkeitslehre geprägt vom Tübinger Psychiaters Ernst Kretschmer (1888-1964). Er entwarf eine Konstitutionslehre, welche Persönlichkeit und Körperbau miteinander verband. Allerdings hat auch dieses Modell heute nur noch historische Bedeutung.
Selbst wenn es in einigen Fällen zutreffen mag, kann es nicht als allgemeingültig angesehen werden.

-Pykniker: breitwüchsiger, gedrungener Körperbau. Disposition zu depressiven Beschwerden. Magenbetont, lässt für ein geselliges Essen schon mal alles stehen und liegen.

-Leptosomer: schmaler Körperbau. Kopftbetont, denkt erst (zu) lange nach, bevor er handelt. Introvertiert mit Neigung zur Schizophrenie

-athletischer Typ: muskulös, breitschultrig. Extrovertiert, körperbetont, handelt schnell aber auch unüberlegt. Disposition zur Epilepsie

 

Ein weiteres bekanntes Modell ist das Persönlichkeitsmodell von Eysenck.
Er reduzierte die Persönlichkeit auf die konträren Pole

                                                 Extraversion ---------------  Introversion
                                Neurotizismus (instabil) ----------------  Stabilität

Später kam dann noch dazu:  Psychotizismus  ---------------- Impulskontrolle
                                             (antisozial,Ablehnung verbindlicher Normen

Eysenck (1970):

  • Persönlichkeit ist "die mehr oder weniger stabile und dauerhafte Organisation des Charakters, Temperaments, Intellekts und Körperbaus eines Menschen, die seine einzigartige Anpassung an die Umwelt bestimmt. Der Charakter eines Menschen bezeichnet das mehr oder weniger stabile und dauerhafte System seines konativen Verhaltens (des Willens); sein Temperament das mehr oder weniger stabile und dauerhafte System seines affektiven Verhaltens (der Emotion oder des Gefühls); sein Intellekt das mehr oder weniger stabile und dauerhafte System seines kognitiven Verhaltens (der Intelligenz); sein Körperbau das mehr oder weniger stabile System seiner physischen Gestalt und neuroendokrinen (hormonalen) Ausstattung" (Eysenck, 1970, S. 2)

 

Noch weiter ging Guilford (1964), der sieben Bereiche der Persönlichkeit unterschied:

-morphologische Gegebenheiten   (körperliche Merkmale wie Grösse, Gewicht)
-physiologische                             (Pulsschlag, Stoffwechsel)
-Motivation, Interesse
-Bedürfnisse
-Einstellung
- Eignung
-Temperament, Impulsivität

Momentan gelten die sogenannten Big-Five als wesentlich bei der Beschreibung einer Persönlichkeit:

- Extraversion (kontaktfreudig - zurückhaltend)
- Verträglichkeit (friedfertig - steitsüchtig)
- Gewissenhaftigkeit (gründlich - nachlässig)
- Neurotizismus (entspannt - überempfindlich)
-Offenheit (kreativ - phantasielos)

Letzten Endes zeigen diese Beispiele von vielen aber nur, wie beschränkt die Möglichkeiten sind, die Persönlichkeit eines Menschen in Worte und Tabellen zu fassen.
Die Persönlichkeit ist kein Gegenstand, welcher sich von allen Seiten betrachten und beschreiben lässt. Persönlichkeit ist im Prinzip nur ein theoretisches, unzureichendes Konstrukt, das mit Annahmen und Theorien spielt. Vor allem ist Persönlichkeit immer subjektiv. Der Betrachter kann die “Person” nur als Summe seiner Verhaltens-/Reaktionsweisen, seiner ausgedrückten Emotionen, seiner lebensgeschichtlichen Entwicklung, seiner eigenen Aussagen sehen. Es ist aber nur schwer möglich hinter diese Äussere Fassade zu schauen und die “nicht sichtbaren Persönlichkeitsanteile” zu erkennen.. In vielen Fällen sieht der Betrachter nur die Persönlichkeitsanteile, welche die betroffene Person ihm erlaubt zu sehen.
Auch ist Persönlichkeit nie isoliert zu betrachten, sondern auch als Ergebnis einer formenden und bewertenden Umwelt. Moralische, familiäre, soziale, rituelle Werte und Gepflogenheiten und die entsprechenden Vorstellungen und Erwartungen des Betrachters bestimmen das Bild eines Menschen mit.
Wir nehmen Menschen wahr auch oder manchmal auch nur im Rahmen des Sie umgebenden und für den Betrachter sichtbaren Umfeldes.
Der Hintergrund bestimmt mit, wie Menschen und Ihr Verhalten beurteilt werden.
Im Kreis der Großen wirkt der Kleine noch kleiner.

Nur eines lässt sich aber doch mit Sicherheit sagen: Jeder Mensch hat eine individuelle, einzigartige und unverwechselbare Persönlichkeit.
Wesentlich ist dabei, das diese Persönlichkeit unter üblichen Bedingungen relativ stabile und andauernde Verhaltensmuster zeigt. Auch wenn ein Mensch sich ändern kann, bleiben normalerweise grundsätzliche Verhaltens- und Erlebensmuster seiner Persönlichkeitsstruktur erhalten. Gleichwohl wird auch die Veränderlichkeit der Persönlichkeit als grundsätzliche Eigenschaft diskutiert. Daran mag man ersehen, wie kompliziert dieses Thema ist.
Radikale Persönlichkeitsänderungen sind i.d.R. nur nach schweren, traumatischen Lebenseinschnitten zu erwarten.
Ganz wesentlich ist es auch, das trotz relativ konstanter, stabiler Verhaltens- und Erlebnisweisen jeder Mensch in einem bestimmten Umfang flexibel auf seine Umwelt reagiert, während bei Persönlichkeitsstörungen diese Flexibilität oftmals fehlt und bestimmte Verhaltensweisen ohne Berücksichtigung der Umweltbedingungen gezeigt werden.
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