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Psychosomatische Erkrankungen

Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Gleiches gilt aber auch umgekehrt.

Bei psychosomatischen Störungen handelt sich um zumindest erheblich psychogen verursachte aber organisch anmutende körperliche Symptome. Die Psychosomatik umfasst den gesamten Bereich diffuser körperlicher Missempfindungen bis hin zu nachweisbaren organischen Schäden mit psychogener Beteiligung. Wem ist nicht schon einmal “etwas auf den Magen geschlagen” oder man denke an das Kind, welches vor jeder Klassenarbeit mit Magenschmerzen und Brechreiz konfrontiert wird. Bereits aus der Umgangssprache kennen wir viele Sprüche, die meist unbeachtet den Zusammenhang zwischen Körper und Seele auf treffende Weise darstellen.
...das schlägt mir auf den Magen ,...das geht mir an die Nieren, ...   ..ich halte es im Kopf nicht mehr aus, ...es ist zum Krätze kriegen, ...es geht mit unter die Haut,   ... das ist wie ein Stich in´s Herz...

Oder nehmen wir als weiteres Beispiel den Hörsturz, der zwar nicht zwangsweise, aber doch oft stressbedingt ausgelöst wird. Auch das Burn-Out-Syndrom, welches in den letzten Jahren immer öfter vor allem durch betroffene Prominente durch die Presse geistert, kann zu diesem Bereich gezählt werden. Diese Beispiele sind im Prinzip ungeeignet, weil hier der Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und körperlicher Auswirkung offensichtlich ist, während dies bei den meisten psychosomatischen Störungen nicht der Fall ist oder vom Betroffenen zumindest nicht akzeptiert wird. Sie zeigen aber ganz deutlich auf, das Psyche und Körper eine Einheit bilden und immer als Ganzes betrachtet werden müssen.
Typisch ist es in vielen Fällen, das die Betroffenen über die belastenden Lebensumstände oder Erlebnisse scheinbar gelassen und ohne starke Emotionen berichten, ohne sich diese -zumindest nach außen- als Ursache für ihre körperliche Erkrankung vorstellen zu können. Derartiges Verhalten kann auf eine fehlerhafte Verarbeitung der Konflikte hinweisen, eben eine Verdrängung psych. Belastungen in den Bereich körperlicher Symptome. Ursächlich für derartiges Verhalten können u.U. kulturelle oder persönlichkeitsbedingte Tendenzen sein, psych. Belastungen körperlich auszudrücken oder aber auch die Angst als Fall für die Psychiatrie stigmatisiert zu werden.

An dieser Stelle soll ein weiteres einfaches Beispiel nochmal die enge Verbindung zwischen  “Körper und Geist” aufzeigen.
Nehmen wir einen etwa 45jährigen Mann, der seit Jahren unter leichten Depressionen leidet, ohne aber zur Therapie zu gehen. Er lebt zurückgezogen und unauffällig und führt nach aussen ein relativ normales, wenn auch ereignisloses Leben. Seit Beginn seiner unentdeckten Depressionen hat sich auch seine Einstellung zum eigenen Körper verändert: Er treibt keinen Sport, achtet nicht auf gesunde Ernährung und hat Übergewicht. Seine Körperhaltung ist nachlässig, er sitzt und läuft in gekrümmter, zusammengesackter Haltung. Seine Atmung ist flach und oberflächlich. Seit einiger  Zeit leidet er unter Rückenschmerzen und gelegentlichen Kopfschmerzen. Sein Hausarzt, den er bis dahin seit Jahren nicht mehr aufgesucht hatte, diagnostiziert altersbedingten Verschleiß der Wirbelsäule und empfiehlt Sport, Diät und physiotherapeutische Behandlung.

Die strenge Unterscheidung zwischen psychischen, psychosomatischen und rein somatischen Krankheitsbildern ist in der Praxis oftmals kaum möglich.

Verdachtsmomente für psychosomatische Ursachen können aber sein:
- generell das Vorliegen vegetativer Beschwerden
- alle sog. klassischen psychosomatischen Erkrankungen (siehe somatoforme Störungen)
- das Auftreten der Symptome in Zeiten besonderer Belastung oder  körperlicher Reifungsprozesse wie Schuleintritt, Pubertät, Berufseintritt, Todesfälle, Wechseljahre, Midlife-Krise, Ehe etc.
- das frühere oder gegenwärtige Vorliegen neurotischer Symptome                                               (z.B.Angst,Depression,Zwanghaftigkeit,)
- fehlender organischer Befund trotz intensiver Untersuchung
- wenn zum hauptsächlichen Leiden (Leitsymptom) weitere vorwiegend funktionelle Symptome (z.Bsp.diffuse Beschwerden Herz-Kreislauf, Magen-Darm) hinzukommen
- wechselnde, unbeständige Beschwerden
- direkt ersichtliche psych. Konflikte des Patienten
-der Krankheitsverlauf entspricht den Vorstellungen des Patienten von der Krankheit und nicht dem “normalen” Krankheitsverlauf (z.B. Taubheitsgefühle in der kompletten Hand bis zum Handgelenk, während bei tatsächlicher Schädigung eines Nervs i-d.R. nur Teile der Hand betroffen sind und die Taubheitsgefühle über das Handgelenk hinaus reichen, Blindheit bei normaler Pupillenreaktion-).


Das Fehlen nachweisbarer organischer Ursachen alleine berechtigt aber noch nicht zur Unterstellung  einer psychosomatischen Erkrankung. Dazu müssen möglichst konkrete Hinweise auf mögliche psych. Belastungen vorliegen. Diese sind in der Praxis oft nur über Außenstehende zu erlangen, da typisches Symptom psychosomatischer Erkrankungen eben das Beharren des Betroffenen auf einer körperlichen Ursache ist und somit andere, eben psych. Ursachen nur bedingt oder garnicht akzeptiert werden. Dies bedeutet aber auch, das die Notwendigkeit psychotherapeutischer Behandlung nicht aus dem Fehlen organischer Ursachen resultieren sollte, sondern vielmehr aus dem Hinweis auf seelische Konflikte.
Trotz vermuteter psychosomatische Beschwerden muss eine ausführliche körperliche Untersuchung immer vorangegangen sein, zumal auch umgekehrt psych. Störungsbilder organisch bedingt sein können.
Unerkannte Herzschwäche mit Wassereinlagerung (Ödem) in den Lungen kann zum Beispiel zu Alpträumen, Schlafstörungen und Verwirrung führen.

Auch wegen der teils schwierigen oder nicht vorgenommenen Differenzierung zwischen psychogenen und rein somatischen Beschwerden sind Aussagen über die klinisch relevante Häufigkeit dieser Störungen nur schwer möglich. In der Allgemeinarztpraxis liegen die angenommenen Werte bei 20%, in neurologischen Praxen bei ca. 25%, in der Gesamtbevölkerung bei 5% und mehr. Schätzungen gehen davon aus, das bis zu 80% der Bevölkerung wiederholt somatische Beschwerden haben, die nicht auf eine organische Ursache zurückzuführen sind. Dabei  sind dissotiative-/Konversionsstörungen relativ selten, den größten Anteil haben die somatoformen Störungen. Auch wenn diese Werte nur als Richtschnur genommen werden, zeigen sie, das psychosomatische Erkrankungen zu den häufigsten psych. Erkrankungen gehören. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer, nicht selten kommt es zu chronischen Verläufen. Dabei kommt es oftmals zu einem Syndromshift: der psych. Konflikt bleibt bestehen, die körperliche Symptomatik ändert sich aber, die Art der körperlichen Beschwerden wechselt
Hinzu kommen noch die sog. hypochondrischen Störungen mit ebenfalls angenommenen 5% der Bevölkerung und entsprechend höheren Werten unter den Patienten der Allgemeinärzte. Hierbei sind Frauen und Männer etwa gleichermassen betroffen.

Während früher das Zusammenspiel soziokultureller, biologischer und psychologischer Faktoren als gelegentlich verursachend für körperliche Erkrankungen galt, sind heutzutage Theorien wie das Fehlregulierungsmodell aktuell. Dabei geht man davon aus, das ein Zusammenspiel psychischer und körperlicher Faktoren bei den verschiedenen Körperfunktionen die Regel und nicht die Ausnahme ist.

Der Begriff Hysterie (griech: an der Gebärmutter leidend) wird heutzutage nicht mehr bewusst verwendet, da er aus früherer Zeit negativ belastet ist.
Gleichwohl basieren die hier dargestellten Störungen auf  dem bereits von Hippokrates (ca 460 v.C.) verwendeten Begriff der Hysterie. Damals wurde als Ursache der Krankheit ein “Herumschweifen” der Gebärmutter oder mangelnde sexuelle Befriedigung angenommen.
Ende des 19ten Jahrhunderts bekam die Hysterie unter Charcot (1825-1893) fast den Anspuch einer neurologischen Krankheit mit Symptomen vor allem im psychischen Bereich. Auch S.Freud beschäftigte sich intensiv mit diesem Thema. Er sprach von Konversionshysterie, einer Neurose bei der ungelöste psych. Konflikte -laut Freud vor allem im sexuellen Bereich- in den organischen Bereich verschoben (konvertiert) werden.                                                                                     .zum Seitenanfang

 

 

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