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dissoziative Störungen (Konversionsstörungen)

psychosomatische Störungen im weiteren Sinne

Wesentliches Kennzeichen der dissoziativen Störung ist eine vollständig oder teilweise verloren gegangene Integration von Denken, Wahrnehmung, Gedächtnis, des Identitätsbewusstseins, unmittelbarer Empfindungen und der Kontrolle der Körperbewegungen.
Die Fähigkeit zu selektiver und bewusster, der jeweiligen Situation angepasster Kontrolle dieser Funktionen ist in wechselndem Umfang gestört. Empfindungen, Erinnerungen und Bewegungen können nicht mehr koordiniert werden, entsprechen nicht den Erfordernissen der momentanen Situation. Im Mittelpunkt stehen also Beeinträchtigungen der Sinnesfunktionen, der Wahrnehmung und Integration von Reizen und der Willkürmotorik.. Dissoziation bedeutet Entkopplung, mangelnde Koordination seelischer und körperlicher Funktionen. Konversion bedeutet Übertragung, hier Übertragung psych. Konflikte in den körperlichen Bereich.

Störungsformen: (in Anlehnung an ICD 10)

-dissoziative Amnesie: meist plötzlicher Erinnerungsverlust für aktuelle traumatisierende oder belastende Ereignisse. Die Amnesie ist meist unvollständig (selektive Amnesie) und variiert oftmals von Tag zu Tag. Hierbei geht es nicht um die alltägliche Vergesslichkeit, sondern das Nicht-Erinnern wichtiger, selbst erlebter Ereignisse.

-dissoziative Fugue: zielgerichtete, unerwartete Ortsveränderung für mehrere Tage oder auch länger über den alltäglichen Aufenthaltsort hinaus, wobei die Person sich äusserlich geordnet verhält. Im Einzelfall kann sogar eine neue Identität angenommen werden. Für diese Zeit besteht Erinnerungsverlust.

-dissoziativer Stupor: seelisch-körperliche Blockierung ohne Hinweis auf körperliche Ursache. Der Betroffene ist überwiegend bewegungslos, spontane Bewegungen oder sprachliche Äusserungen fehlen oder sind kaum wahrzunehmen.

-Trance- und Besessenheitszustände: Zeitweiliger Verlust der persönlichen Identität und der vollständigen Wahrnehmung der Umgebung. Aufmerksamkeit, Bewegungen und Äusserungen sind eingeschränkt. Manchmal verhält der Betroffenen sich wie von einer anderen Kraft beherrscht.

-dissiziative Störungen der Bewegung: teilweiser oder völliger Verlust der Bewegungsfähigkeit. Teilweise oder vollständige Lähmungen vor allem der Beine, mangelnde Koordination (Ataxie) der Beine kann zu bizarrem Gang führen, Unfähigkeit alleine zu stehen (Astasie), Zittern oder Schütteln, Stimmlosigkeit (Aphonie), Stimmstörung (Dysphonie: Veränderung des Stimmklangs, Heiserkeit, belegte, rauhe Stimme etc.)

-dissoziative Krampfanfälle: sog. Pseudoanfälle, Krampfanfälle mit Stupor oder tranceähnlichem Zustand.
Im Unterschied zu epileptischen Krampfanfällen ist hierbei die Selbstverletzungsgefahr aber geringer, auch Zungenbiss oder Urininkontinenz sind selten.

-dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen: Veränderung oder Verlust von Sinnesempfindungen, Verlust der Sehschärfe, Tunnelsehen, Verminderung des Tastsinns.
selten Taubheit oder Verlust des Geruchsvermögens (Anosmie)

-Ganser-Syndrom:Der Betroffene redet demonstrativ an gestellten Fragen vorbei, wirkt desorientiert und macht oft systematisch alles falsch. Auch Trancezustände mit deutlich reduziertem Empfindungsvermögen für Umweltreize kommen vor. In diese Gruppe gehören auch dissoziativ gestörte Personen, die einer “Gehirnwäsche” ausgesetzt waren.

-multiple Persönlichkeitsstörung:  auch diese wird gem. ICD 10 zu den dissizoziativen Störungen gezählt. Merkmal ist das Vorhandensein mindestens zweier Persönlichkeiten mit eigenem Bewusstsein, eigenem Verhalten und eigener Erinnerung, die unabhängig voneinander existieren. Während hierzulande diese Erkrankung als sehr selten gilt, gibt es vor allem in Amerika Vermutungen über ein wesentlich häufigeres Vorkommen. Viele der Betroffenen könnten aber trotz der Erkrankung unbemerkt von der Öffentlichkeit leben, zumal sie selber nicht von ihrer Störung wissen. Die Persönlichkeiten -im Einzelfall können es auch 20 und wesentlich mehr sein- existieren im selben Körper völlig getrennt voneinander. Als Ursache gilt eine starke Traumatisierung, vor allem sexuelle und langjährige Übergriffe in der Kindheit auch bzw. vor allem im eigenen Elternhaus. Die Last des Traumas wird praktisch auf mehrere Persönlichkeiten verteilt, um sie ertragen zu können.

Die Begriffe dissoziative Störung und Konversionsstörung lassen sich nur schwer auseinanderhalten  und werden teils synonym verwendet. Von Konversionsstörungen spricht man aber in Anlehnung an seine psychoanalytische Herkunft vor allem dann, wenn auch Störungen der Bewegung und der Sinnesempfindung vorliegen, die aus analytischer Sicht unbewussten Ausdruckscharakter haben. D.h. über das klinische Symptom -z.B. Krämpfe kommuniziert der Patient unbewusst mit seiner Umwelt.
Wohl bekanntestes Beispiel ist der sog. “arc de cercle”, bei dem der Betroffene im Rahmen eines heftigen Krampfanfalles den Rücken nach oben drückt und eine Brücke darstellt. Solche extremen Symptome sind heutzutage aber eher selten, weit häufiger finden sich weniger demonstrative Ausdrucksformen wie Taubheitsgefühle in einzelnen Körperbereichen, Zittern, Sprachstörungen , Schwächeanfälle oder Sehstörungen. Auch der komplette Ausfall einer Sinnesfunktion (Sehen, Schmecken) ist seltener, häufiger sind funktionelle Einschränkungen wie z.B. “Verschwommensehen”.

Allgemeines:

Die Symptomatik dieser Störungen ist sehr unterschiedlich  und sowohl Art als auch Umfang der Symptome können schnell wechseln, d.h. im Extremfall täglich. Vorwiegend handelt es sich um Störungen neurologischer Art: (Krampfanfälle, Lähmungen, Blindheit, Stimmlosigkeit,  Unempfindlichkeit. Es können aber ausser den genannten Hauptgruppen praktisch alle Formen organischer Erkrankungen nachgeahmt werden.
Die meisten Erkrankungen finden sich im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, wobei Frauen häufiger betroffen sind.
Dabei gilt im Allgemeinen: Je monosymptomatischer und akuter der Verlauf, desto besser die Heilungschancen. Meist beginnen dissoziative Störungen plötzlich, enden aber ebenso spontan nach Wochen oder Monaten, vor allem wenn sie Ergebnis eines traumatisierenden Ereignisses waren.
Sich langsam entwickelnde, eher chronische Verläufe die bereits 1 - 2 Jahre bestehen sind oft kaum noch therapierbar. Bei längeren Erkrankungen kann auch ein Wechsel in somatoforme Symptome erfolgen. Sie können Zeichen für einen längerdauernden Konflikt, unlösbare Probleme sein. 

Für die Diagnose wird gefordert:
1)...das Fehlen organischer Ursachen.
D.h. hirnorganische Erkrankungen, Vergiftungen, extreme Erschöpfung oder sonstige körperliche Ursachen liegen nicht vor

2)... und ein Beleg für psych. Verursachung .
-also ein zeitlicher Zusammenhang mit aussergewöhnlichen Belastungen-

 Letzteres ist teilweise nur schwer oder durch Gespräche mit Angehörigen ermittelbar. Viele Erkrankte neigen dazu, ihre teils ganz offensichtlichen Probleme zu verleugnen oder umgekehrt ihre Probleme als Folge der org. Erkrankung zu sehen.
Dissoziative Störungen können auch in Verbindung mit anderen Störungen auftreten wie z.B. Phobien oder posttraumatischen Belastungsstörungen. 
Generell gelten diese Störungen also als psychogen verursacht und stehen vielfach in direktem Zusammenhang.mit belastenden Ereignissen oder Lebenssituationen.

       

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