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                                       Ursachen der Schizophrenie

Man geht auch bei der Schizophrenie von einer multifaktoriellen Verursachung aus.
Dabei steht im Mittelpunkt der Überlegungen das sogenannte Vulnerabilitätskonzept
oder Diathese-Stress-Modell.
Dieses geht von einer erblichen Vorbelastung, Disposition zur Schizophrenie aus,
wobei die Krankheit aber erst ausbricht, wenn weitere belastende Umwelteinflüsse - eben Stress in verschiedenster Form - hinzukommen.

Dies wird bestätigt durch die Familien-, Adoptions- und Zwillingsforschung.
So steigt das Erkrankungsrisiko in den betroffenen Familien mit steigendem Verwandtschaftsgrad.
Bei Verwandten ersten Grades beträgt das Risiko 10%, bei Verwandten zweiten Grades 5%.
Bei Erkrankung beider Elternteile beträgt das Morbiditätsrisiko für die Kinder schon 40%.
Bei eineiigen Zwillingen sind es 50%, bei zweieiigen deutlich weniger (Ca.15%).
Dies gilt in ähnlicher Weise auch,  wenn die Zwillinge getrennt aufgewachsen sind.
Man geht von einer polygenen Erbanlage aus, d.h. es gibt kein einzelnes Gen, das ursächlich für die Vererbung der Schizophrenie ist, sondern eine Kombination verschiedener “belasteter” Gene.
Konkretes hierzu konnte die Forschung bisher noch nicht ermitteln.

Australischen Wissenschaftlern ist es aber erstmals gelungen, ein Gen zu entschlüsseln, das massgeblich an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sein soll. Ihre Ergebnisse erschienen in der Februar 2005-Ausgabe der Fachzeitschrift "Schizophrenia Research" .
Aus biochemischer Sicht scheint eine Störung der Gehirnbotenstoffe Dopamin bzw.Serotonin massgeblich beteiligt zu sein.
Seit Längerem ist bekannt, dass eine Überaktivität von sog. Dopamin-D2-Rezeptoren im Gehirn ein wichtiger Faktor für die Entstehung einer Schizophrenie ist. Deswegen wird bei der Medikamentation vor allem auf das dopaminerge System Einfluss genommen.
Forscher um Prof. C. Phillip Morris von der Queensland University of Technology in Brisbane glauben jetzt die Quelle für die Überaktivität der Dopamin-D2-Rezeptoren identifiziert zu haben. Es handelt sich um eine bestimmte Variante des Dopamin-Rezeptor-Gens, die eine verstärkte Produktion von Dopamin-D2-Rezeptoren verursacht. Die Wissenschaftler vermuten, das Träger dieser Variante des Gens besonders anfällig sind für eine stressbedingte Auslösung der Schizophrenie. Die Studie wurde allerdings nur mit einer kleinen Zahl von Patienten durchgeführt und ist daher noch nicht als wissenschaftlich bestätigt anzusehen. Die großenteils genetische Verursachung der Schizophrenie wird aber durch die Ergebnisse untermauert..

In anderen Untersuchungen konnten zumindest bei einigen Patienten strukturelle Veränderungen des Zentralnervensystems nachgewiesen werden. In Teilen des Gehirns wurden Veränderungen festgestellt, die auf eine frühe, evtl. bereits embryonale Hirnentwicklungsstörung deuten. Es wurden vergrösserte Ventrikel (Hirnkammern), kleinere Stirnlappen, verminderte Durchblutung des Gehirns, Veränderungen im Hippocampus und dem Temporallappen, insbesondere im assoziativen Bereich der Hörrinde festgestellt.
Verschiedene Studien erbrachten Indizien, dass als Ursache für diese Veränderungen genetische Veranlagung, Geburtskomplikationen, schlechte Ernährung, Immunreaktionen und vorgeburtliche Virusinfektionen der Mutter in Frage kommen.

Daneben spielt die psychosoziale Entwicklung eine gewichtige Rolle.
Während der Kindheit an Schizophrenie Erkrankter bestanden oft familiäre Konflikte, viele wurden als passive, unkonzentrierte Kleinkinder beschrieben, die bereits in der Schulzeit störende Verhaltensweisen entwickelten.
Psychosoziale Überstimulation (beruflicher Stress, emotionale Anspannung) scheint die Positivsymptomatik zu begünstigen, psychosoziale Unterstimulation (Alleinleben, keine Anreize von der Umwelt) dagegen die Negativsymptomatik.
Zwillingsstudien zeigten auch, dass bei genetischer Vorbelastung der Ausbruch von Schizophrenie in ungünstiger Familienatmosphäre wahrscheinlicher ist.

Auch konnte ein erhöhtes Rückfallrisiko in sogenannten high-expressed-emotions-Familien festgestellt werden.
Darunter versteht man Familien mit einer erhöhten kritischen Emotionalität oder einer überprotektiven (bemutternden) Einstellung zum Erkrankten.

Letztendlich ist die exakte Ursache für den Ausbruch einer Schizophrenie aber nicht zu bestimmen, wirklich stichhaltiges Material kann die Forschung hier noch nicht vorlegen.

                                                 Therapie

Entsprechend der multifaktoriellen Ursachenvermutung erfolgt auch die Therapie mehrgleisig.
Vor allem im akuten Stadium erfolgt die Therapie aber in erster Linie über die medikamentöse Behandlung. Viele Patienten sind im akuten Stadium zu weit von der Realität entfernt, um psychotherapeutisch behandelbar zu sein.
Akut schizophren Erkrankte sind oft nur stationär, auch gegen deren Willen, behandelbar.
Problematisch ist das oft kaum vorhandene Krankheitsbewusstsein des Patienten.

Die besten Erfolge wurden mit Neuroleptika erzielt. Neben diesen “klassischen” Medikamenten wie Haloperidol werden zunehmen atypische Neuroleptika z.B.Risperidon,Olanzapin,Clozapin-verwendet, die geringere Nebenwirkungen verursachen. Dazu gehören vor allem Nebenwirkungen wie unkontrollierbare Bewegungen (z.B.Hals,Rumpf,Zunge), Zuckungen, motorische Unruhe, Bewegungs- und Haltungsstörungen. Weiterhin haben atypische Neuroleptika eine stärkere  Wirkung auf die Negativsymptomatik.
Auch nach Abklingen der Symptomatik ist die weitere medikamentöse Behandlung mit verringerten Dosen über ca. 6 Monate angeraten.

Mit Besserung des Krankheitsbildes gewinnen psycho- und soziotherapeuthische Massnahmen an Bedeutung.
Dabei geht es vor allem um supportive Psychotherapie. Dem Patienten muss geholfen werden, die schwere Last der Erkrankung zu tragen. Der Patient wird über die Krankheit, die Art der Behandlung und die Aussichten in realistischer, aber auch Hoffnung und Mut vermittelnder Weise informiert. Es geht darum, Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen und den Erkrankten zur Mitarbeit zu motivieren.
Verhaltenstherapeutische Massnahmen sollen verlorengegangene kognitive(gedanklich/geistige) Fähigkeiten und soziale Kompetenz wieder verbessern, auch Kunst- oder Musiktherapie können hier eingesetzt werden.
Daneben ist auch eine familientherapeuthische Betreuung sinnvoll, um dem Erkrankten die Rückkehr in die Familie zu erleichtern, die Familie darauf vorzubereiten und einen möglichen Rückfall zu vermeiden. Die Familienmitglieder sollen lernen, realistischere Erwartungen zu entwickeln, abweichendes Verhalten zu tolerieren, weniger unter Schuldgefühlen zu leiden und problematische, spannungsgeladene Kommunikation zu vermeiden.
 
Weiterhin ist eine (Wieder-)Eingliederung des Patienten in sein soziales Umfeld nötig.
Beschäftigungs- und Arbeitstherapie (Ergotherapie) sowie andere berufsrehabilitierende Massnahmen sind notwendig.
In kleinen Schritten soll der Patient wieder in das “normale Leben” eingegliedert werden.
Evtl. muss die Fähigkeit zum selbstständigen Wohnen und Versorgung geübt werden, ist nur eine stundenweise Berufsausübung möglich. Ein geregelter Tagesablauf muss gefunden werden, Selbständigkeit und Selbstachtung des Patienten wieder aufgebaut werden.
Auch die Unterbringung in einer beschützenden Werkstatt oder einem Wohnheim kann notwendig sein bis zur vollständigen Gesundung.

An dieser Stelle soll noch mal betont werden, dass der schwer Erkrankte regelrecht aus seinem bisherigen Leben herausgerissen wird. Über einen langen Zeitraum verliert er den Bezug zu sozialem Umfeld, Beruf, Schule -der gesamten Aussenwelt. Mit der Entlassung aus dem voll- oder dann teilstationären Bereich fängt er sein Leben praktisch von Vorne an. Verlorene Schuljahre, berufliche Einbussen und ein wahrscheinlich verändertes soziales Umfeld sind Probleme, die jetzt gelöst werden müssen.

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