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Allgemeines zum Thema Angst


(Real)Angst ist eine automatische biologische Schutzfunktion und sowohl sinnvoll als lebensnotwendig. Ein erhöhter Adreanalinspiegel beschleunigt die Reflexe und macht den Körper mobil. Das Herz pumpt mehr Blut, die für Flucht oder Kampf nötigen Muskeln spannen sich an,
die Sinne sind geschärft..
Sie ist Alarmsignal und löst Aktivitäten zur Beseitigung der Gefahrensituation aus.
Urängste sind biologisch angelegt und waren in früherer Wildnis überlebenswichtig. Angst begleitet und das ganze Leben und ohne sie würden wir nicht überleben können. Denn Sie schützt uns vor Gefahren, verhindert leichtsinniges Verhalten. Hierzu gehört das Erstarren vor Angst oder auch das reflexartige Abschütteln eines Insektes von unserer Hand. Vor allem dies muss auch in einer Therapie dem Betroffenen vermittelt werden: Ein Leben ohne Ängste ist nicht Ziel der Therapie, sondern die Unterscheidung zwischen biologisch sinnvoller, normaler und pathologischer Angst und Methoden, Angst unter Kontrolle zu bringen.

  • Excurs Kinder: Vor allem bei Kindern lässt sich zeigen, das Angst biologisch angelegt und ein natürlicher Mechanismus ist, eine Schutzfunktion. Für bestimmte Altersgruppen sind unterschiedliche Ängste typisch:
  • - Welche Mutter kennt sie nicht, die sog. Achtmonats-Angst. Etwa in diesem Alter fangen Babvs an zu fremdeln, entwickeln Ängste vor Fremden.
  • - Einjährige habe verstärkt Trennungsängste. Bis zum Ende des ersten Lebensjahres verschwimmen die Grenzen noch zwischen der Persönlichkeit des Babys und den Eltern. Erst jetzt kommt verstärkt die Erkenntnis, das jeder ein einzigartiges Individuum ist, das Baby und Eltern getrennte Lebewesen sind. Damit beginnt auch die Angst vor der Trennung von den Eltern, sie klammern sich an ihre Eltern.
  • - Im Alter ab 2 Jahren entwickeln sich viele Ängste, vor allem vor Dunkelheit, dem Alleinsein,großen Tieren  und dem Unbekannten.
  • - Ab dem 3 ten Lebensjahr verstärkt sich die Angst vor Unbekannten, bösen Räubern, Hexen aus Filmen und Büchern und vor Schatten. Dies hängt sicherlich auch damit zusammen, das Kinder jetzt verstärkt eigene Phantasien und Vorstellungen entwickeln.
  • - Später kommt dann z.B. die Angst vor körperlichen Verletzungen hinzu. Bis zur Grundschule neigen Kinder dazu, unbefangen und ohne Angst vor Verletzungen herumzutoben - Wildfänge eben. Erst später erlernen sie, vorsichtiger zu sein. Hier ist Angst wesentliche Vorraussetzung dafür, das Kinder eben nicht mehr bedenkenlos über die Strasse rennen.
  • - Mit der Schulzeit kommt dann die Angst vor Versagen, schlechten Noten ,vor anderen Mitschülern hinzu.
  • - zwischen dem 2. und 7. Lebensjahr kommt es bei einigen Kinder zu einem sog. “Pavor nocturnus”, ein nächtliches anfallsartiges Erschrecken, das im ersten Moment bei Eltern Bestürzung hervorruft. Typischerweise tritt Pavor nocturnus in den ersten Stunden nach dem Einschlafen auf. Die Eltern finden ihre Kinder schreiend, völlig verwirrt und angsterfüllt vor, sie reagieren nicht, abwehrend oder kaum auf Berührung und Ansprechen, schlagen vielleicht auch um sich. Trotz weit aufgerissener Augen sind sie nicht weckbar, Atmung und Puls können erhöht sein.
    Dieser für Eltern mehr als beunruhigende Zustand dauert in der Regel nur wenige Minuten, die Eltern aber natürlich wie eine Ewigkeit erscheinen. Eltern können in dieser Situation nichts unternehmen, ausser ihr Kind vor Verletzungen zu schützen, bis es aufgewacht ist. Dann ist es in der Regel verwirrt, kann sich an nichts erinnern und schläft schnell wieder ein.
    Pavor nocturnus wird als normales Schlafverhalten bezeichnet, es ist ein unvollständiges Erwachen aus dem Tiefschlaf. Es liegt keine körperliche oder psych. Auffälligkeit vor, dieses Phänomen tritt scheinbar unabhängig von äusseren Einflüssen wie Erziehungsstil und Elternhaus auf. Eine gewisse Rolle spielt wohl eine “Überstimulation” am voraus gegangenen Tag durch besondere Erlebnisse, extremes Fernsehschauen oder ähnliches. Solange derartiges jedoch nur alle Monate auftritt, das Kind keine weiteren Auffälligkeiten zeigt, tagsüber keine Anzeichen veränderten, ängstlichen oder bedrückten Verhaltens zeigt, gehören Pavor nocturnus und auch Alpträume zum normalen Schlafverhalten.

Angst,Phobie,PanikDiese unvollständige Auflistung zeigt noch Mal, das Angst ein lebenslanger Begleiter ist, ohne das wir dies als ungewöhnlich betrachten. Die hier anzusprechenden pathologischen Ängste entbehren aber der objektiven Bedrohung und sind der Situation völlig unangemessen. Sie sind nicht natürlich und lähmen die geistig/körperlichen Funktionen, treten scheinbar grundlos auf.
Man spricht von frei flottierender Angst beim Fehlen eines realen Auslösers.
Ebenso kann aber auch das völlige Fehlen von Ängsten pathologisch sein, etwa bei Persönlichkeitsstörungen. Ein angstfreier Mensch ist sozialunfähig, kennt kein soziales Gewissen
und hat keine Angst vor Strafe.

Ca.15% der Bevölkerung erkranken klinisch relevant mindestens einmal in ihrem Leben und damit gehört die Störung zu den häufigsten psychischen Beschwerdebildern. Sie tritt bei Frauen wesentlich öfter auf, etwa ab dem 45.Lebensjahr geht die Häufigkeit zurück. Am häufigsten treten soziale und spezifische Phobien auf.
Seltener ist die Panikstörung, die aber sehr oft behandlungsbedürftig ist.
Für die erste Panikattacke gilt als häufiger (Mit)Auslöser ein allgemein erhöhtes Stressniveau.
Auch zahlreiche chemische Substanzen (Alkohol,Drogen,Medikamente,Nikotin) können angstauslösend wirken.

Auf den ersten Blick ist die Störung oft nicht zu erkennen, bzw. wird als unbekannte körperliche Störung erlebt.Vielfach stehen im subjektiven Erleben des Patienten  körperliche Beschwerden
wie Schwindel , verminderte Belastbarkeit, Herzbeschwerden, Atemnot oder Magen/Darmbeschwerden im Vordergrund. Meist werden diese Störungen subjektiv stärker erlebt, als sie tatsächlich sind. Gerade bei Panikstörungen sind die Symptome manchmal für Aussenstehende kaum zu erkennen, werden aber vom Betroffenen quälend intensiv erlebt.

Angstpatienten neigen dazu, unbedeutenden und vorübergehendem körperlichen Kreislauf Angst vor der Angst
Vorgängen wie Pulsveränderungen oder leichtem Schwindel nach Anstrengung
übersteigerte Aufmerksamkeit zu widmen und Ihnen abnorme, krankhafte Bedeutung  zuzuschreiben. Die Konzentration auf diese eigentlich harmlosen Symptome fördert die Angst und verstärkt wiederum die Symptome.
Ein Kreislauf entsteht.

Eine wesentliche Rolle spielt die “Angst vor der Angst”. Oftmals noch folgenreicher als die direkte Störung ist die Erwartungshaltung . Indem der Erkrankte mit dem Auftreten der Angst rechnet, ruft er sie erst recht hervor oder es kommt zu Vermeidungsverhalten,d.h. zu sozialem Rückzug und Isolierung - der Patient traut sich nicht mehr aus dem Haus. Verdrängung führt zu erheblicher Angstreduktion und ist deshalb recht stabil.
Vor allem bei Panikstörungen entwickelt sich hier oftmals ein schwerwiegender Kreislauf.
Der Erkrankte geht mit der Erwartung eines Panikanfalls auf die Strasse und wird in seinen Befürchtungen bestätigt. Zu der Panikstörung kommt jetzt oftmals auch die Angst, das Haus zu verlassen- eben in der Erwartung eines neuen Anfalls. Die daraus resultierende Isolierung verbunden mit dem Gefühl des Alleinseins verstärkt aber wiederum auch die grundsätzlich ängstliche Einstellung.

Angst und Depression treten oft gemeinsam auf , stehen in enger Wechselbeziehung zueinander.
Alkohol- und Medikamentenmissbrauch sind häufig als sekundäres und wesentliches Problem anzutreffen.

                                    Der ICD10 unterscheidet in

                                  phobische Störungen: (Angststörung mit Auslöser)
Phobien sind ausgeprägte Angstzustände mit realem Bezug. Eine bestimmte Situation oder ein Objekt ruft intensive Angst hervor. Der Betroffene erkennt die Irrealität seiner Ängste, ist ihnen aber ausgeliefert und versucht entsprechende Situationen zu vermeiden.
Diagnose: Dieses Vermeidungsverhalten ist wesentliches Diagnosekriterium für Phobien. Daneben müssen die Ängste auf die entsprechenden Situationen begrenzt sein und die Störung nicht auf andere Ursachen wie Wahn oder Zwang zurückzuführen sein.
Auch hier gilt: Kann der Betroffene der angstauslösenden Situation dauerhaft ohne leidbringende Nachteile aus dem Weg gehen, kann er ein “normales” Leben führen, ist nicht behandlungsbedürftig bis äussere Umstände die Situation ungünstig verändern.
Am bekanntesten dürfte die Angst vor Spinnen oder geschlossenen Räumen(Klaustrophobie) sein.
Zu den Panikstörungen besteht insofern eine Verbindung, als begründet auf der Phobie auch Panikattacken ausgelöst werden können.

Es werden drei Hauptgruppen unterschieden:
- spezifische Phobien: z.B. Erythrophobie - Furcht vor Erröten
                               Nosophobie - Angst vor Krankheiten (nur situationsbezogen, ansonsten                                                                                                         hypochondrische Störung)  
                               Neuphobie - Angst vor allem Neuen
                               Zoophobie - Angst vor Tieren
                               Akrophobie - Höhenangst 
                               Schulangst,Angst vor Blut,Verletzungen,Donner,Verschmutzung und viele mehr

- Soziophobie  -Angst vor dem Zusammensein mit anderen Menschen
Die Häufigkeit dieser Störung wurde früher mit 2-3% angegeben, nach heutiger Ansicht liegt der %-Satz aber wesentlich höher bis ca. 10%
Die Phobie konzentriert sich auf Situationen, in denen der Betroffene der  prüfenden Beobachtung anderer ausgesetzt ist und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Er hat Angst zu versagen, sich zu blamieren. Dieses Gefühl kennt mehr oder weniger jeder, beim Phobiker sind diese Symptome aber extrem und lebensbeeinträchtigend ausgeprägt.
Typische Symptome sind Zittern, Erröten, Kreislaufbeschwerden, Harndrang, Vermeidung von Blickkontakt.
Häufig findet sich ein niedriges Selbstwertgefühl bei den Erkrankten und geringe Kritikfähigkeit.

- Agoraphobie -  Angst vor öffentlichen Plätzen, Menschenmengen, Angst sich bei Gefahr nicht in       Sicherheit (nach Hause) bringen zu können, allein im Zug/Bahn zu sein.
Der Betroffene befürchtet, ohnmächtig zu werden, einem Herzanfall zu erliegen, die Kontrolle zu verlieren und sich dann nicht ohne Aufmerksamkeit zu erregen oder überhaupt in Sicherheit bringen zu können. Schweregrad und Ausmass schwanken, diese Störung ist aber oftmals besonders einschränkend.
Nicht selten verlässt der Betroffene kaum noch seine Wohnung und kann seinem Beruf nicht mehr oder eingeschränkt nachgehen. Ihre Auftretenswahscheinlichkeit wird mit 5% angegeben.
In der Mehrzahl sind Frauen betroffen, es besteht ohne Behandlung die Gefahr des Chronifizierung.

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Agoraphobie - MyVideo

                              sonstige Angststörungen (ohne Angstauslöser)
Hierbei handelt es sich um plötzlich ohne Auslöser auftretende intensive oder ständig vorhandene Angstzustände. 
Hauptgruppen der reinen Angststörungen sind
 generalisierte Angststörung: Es handelt sich um eine generalisierte und langanhaltende Angst über Monate hinweg ohne Begrenzung auf bestimmte Situationen/Objekte.
Wesentliche klinische Kennzeichen sind:
unrealistische Befürchtungen wie grundlose Geldsorgen, Angst es könnte etwas ganz Schlimmes    passieren ohne jegliche Veranlassung, Existenzangst, Angst verrückt zu werden, Angst die Kontrolle zu verlieren, Angst zu sterben .
motorische Spannung: Zittern, Muskelverspannung und -schmerzen, ständige Unruhe, Schwitzen 
vegetative Übererregbarkeit, Atemnot, Beklemmungsgefühle, Schwindel, Herzrasen
Hinzu kommen Symptome wie Verspannungen - Nackenschmerzen etc., erhöhte Schreckhaftigkeit, Gefühl der Anspannung, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Reizbarkeit.
Für die Diagnostizierung müssen derartige Symptome über mindestens mehrere Wochen an den meisten Tagen vorliegen.

Panikstörungen: Panikstörungen sind sich wiederholende, anfallsartig auftretende Angstattacken ohne sichtbaren wesentlichen Anlass.
Ihre Auftretenswahrscheinlichkeit liegt (lebenszeitbezogen) etwas über 2%.

Panikattacken können ....
spontan zu jeder Zeit und überall auftreten.
angstbedingt in Verbindung mit bestimmten Orten/Situationen, die vielleicht in Verbindung mit traumatischen Erlebnissen stehen (oder aber einer Phobie)
situationsbedingt in wiederkehrenden Situationen oder an bestimmten Orten, vor denen der Betroffenen aber selbst keine Angst hat. Die Attacken treten aber auch nicht immer auf, sondern eben unerwartet sporadisch -z.B. beim Zugfahren, im Auto, im Kino.

Es entwickelt sich rasch eine Erwartungsangst, d.h. der Betroffene lebt mit der ständigen Angst vor dem nächsten Anfall. Deswegen geht diese Störung oft einher mit einer Agoraphobie, der Betroffene hat Angst in der Öffentlichkeit einen Anfall zu erleiden und zieht sich zurück.
Wesentliche Kennzeichen sind:
Plötzlich einsetzende Beschwerden die sich innerhalb einiger Minuten zu einem Höhepunkt steigern.
Typische Begleiterscheinungen sind Herzrasen, Zittern, Atemnot, Ohnmachtsgefühlen, Magen/Darmbeschwerden, Hitzewallungen, Angst zu sterben.

Die Anfälle können wenige Minuten bis zu  Stunden dauern, meistens liegen sie aber im Bereich von
10 - 30Min.
Wesentlich ist im akuten Fall den Betroffenen ruhig aber entschlossen aus der beängstigenden Situation herauszuführen, evtl. nach entsprechender Ansprache auch durch körperliche Unterstützung. Durch Bewegung, Situationsveränderung und beruhigendes Zureden lässt sich die Situation meistens auch ohne Gabe von Beruhigungsmitteln klären. Wichtig ist in der Öffentlichkeit , den Betroffenen aus dem Fokus der Zuschauer zu bringen, um die Lage zu entspannen. Auch wenn der Anfall eintritt, wenn der Betroffene alleine ist, empfiehlt sich intensive Bewegung zur Entspannung der Situation - Gymnastik, Tanzen, Treppenlaufen. Bewegungslosigkeit führt i.d.R. zu einer Konzentration auf die Symptome wie Herzrasen, Atemnot und intensiviert damit die Symptome.
Zwischen den Anfällen liegen weitgehend angstfreie Intervalle.
Für die Diagnostizierung einer Panikstörung sollen mehre schwere vegetative Abfälle
 innerhalb eines Monats auftreten.

                                                                Verlauf

Ohne Behandlung kommt es vor allem bei Agoraphobien und Soziophobien zu chronischen Verläufen. Oftmals ist dann ein Aufenthalt ausserhalb des Hauses kaum noch möglich, bzw. es tritt eine vollständige soziale Isolierung ein.
Spezifische Phobien haben einen unterschiedlichen Verlauf. In der Kindheit erworbene Phobien können häufig ohne Behandlung abklingen, später erworbene Phobien aber auch dauerhaft bestehen.
Generalisierte Angststörungen können ohne Behandlung Jahre oder Jahrzehnte bestehen. Im Gegensatz zu anderen Angststörungen ist die Leistungsfähigkeit des Betroffenen nicht so stark eingeschränkt, so dass er trotzdem am sozialen Leben teilnehmen kann.
Panikstörungen können phasenweise auftreten oder aber auch dauerhaft über Jahre hinweg. In Verbindung mit einer Agoraphobie kommt es auch hier zu einer starken gesellschaftlichen Isolierung.

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