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Pubertät - Was nun?

Was können nun geplagte Eltern tun, um um diese evtl. schwierige Phase der Identitätsfindung Jugendlicher leichter zu überstehen?
Nachfolgend sollen nun in loser Reihenfolge und ohne Prioritätensetzung Vorschläge gemacht werden, die das Zusammenleben erleichtern können. Es gibt wie so oft auch hier kein Patentrezept aber es kann schon helfen, das “System Pubertät” zu verstehenPubertät - weder Kind noch Frau.
Wohlgemerkt sprechen wir hier von der “normalen” Pubertät. Daneben gibt es natürlich Risikogruppen. Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen, Scheidungskinder, Heimkinder, ungeliebte - überbehütete -misshandelte - vernachlässigte Kinder, Jugendliche die einen Elternteil verloren haben. In diesen Fällen gilt das anschliessend gesagte natürlich auch, doch ist die Sachlage ungleich schwieriger und oftmals professionelle, therapeutische Hilfe notwendig.

- Akzeptieren sie diese Phase als das, was sie ist: Eine Zeit des Wandels, der Veränderung.
Waren die Eltern bisher Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, heisst es nun langsam loslassen.
Immer wichtiger für die Jugendlichen wird die öffentliche Meinung, die Anerkennung im Pubertät - Weg in eine andere WeltFreundeskreis. Die Kinder entwachsen dem Alter, in welchem sie die Meinung der Erwachsenen vorbehaltlos annehmen. Es ist der Eintritt in eine neue Beziehung. Nicht mehr Macht und Kontrolle sondern Respekt und gegenseitige Anerkennung sollten das Verhältnis zwischen Jugendlichen und Erwachsenen prägen. Eltern sollten verstehen, das nicht nur ihre Kinder sich verändern, sondern damit auch Eltern sich anpassen müssen an veränderte Rahmenbedingungen. Oft geht diese Entwicklung einher mit gefühlter Abwertung, Ablehnung, dem Gefühl überflüssig zu sein. Doch das darf nicht dazu führen, das Eltern sich aus der Erziehung zurückziehen. Auch wenn es gerade jetzt nicht so erscheint, brauchen Pubertierende Halt und Vorbilder in der Familie, an denen sie sich orientieren können.

- Fehler? 
Wie in vielen Fällen ist es meistens sinnlos, Schuldzuweisungen an die eigene Person oder andere zu machen. Du bist.. Du hast.. Du musst.. ist genauso wenig hilfreich wie das ständige Grübeln über eigene Fehler. Wichtiger als das sinnlose, stundenlange Herumdiskutieren über Vergangenes ist die Überlegung, wie Derartiges in Zukunft verhindert werden kann. Gehen sie offen mit Fehlern, vor allem auch eigenen um. Stehen sie dazu und lernen sie daraus. Erklären sie, warum sie das Verhalten ihres Kindes für falsch halten- kurz und bündig- und was sie für die Zukunft erwarten. Machen sie keine pauschalen Schuldzuweisungen, ihr Kind will wissen, warum sie sein Verhalten objektiv für falsch halten. Erwarten sie keinen Perfektionismus von ihren Kindern und auch nicht von sich selbst. Dem daraus resultierenden Druck sind nur wenige Familien gewachsen. Wichtiger als fehlerfreie perfekte Eltern ist die vorgelebte Fähigkeit, mit Krisen umgehen zu können. Und seien sie sich der Tatsache bewusst, dass nicht einzelne Erziehungsmassnahmen Kinder prägen, sondern die Ausprägung der jugendlichen Persönlichkeit über einen längeren Zeitraum erfolgt. Deswegen sollten einmalige Ausrutscher nicht überbewertet werden.

- Grenzen und Regeln.
Auch wenn sie sich meistens dagegen wehren. Teenager brauchen Grenzen und Regeln, vorgegebene Strukturen, Prinzipien und Rituale. Als Beispiele seien genannt: vorgegebene Essenszeiten, Regeln im Umgang miteinander, Fernsehzeiten, Respekt vor dem Eigentum des anderen (kein Schnüffeln im Tagebuch), Zubettgeh-Zeiten, Mithilfe im Haushalt. Die Liste kann unendlich erweitert werden.
Das hört sich jetzt nach absoluter Bevormundung und einem totalitärem  Erziehungsstil an. Deswegen müssen diese Regeln erklärt, erläutert und miteinander besprochen werden. Die Grenzen müssen bei aller Einschränkung genügend Freiraum für die persönliche Entwicklung des Jugendlichen lassen und variabel an die persönliche Entwicklung des Teenagers angepasst werden. Zu enge Grenzen entmutigen, zu weit gezogene oder keine Grenzen führen zu Orientierungslosigkeit. Grenzen und Regeln sagen dem Jugendlichen auch: Da ist jemand, der sich um dich sorgt, der aber auch Vertrauen in dich hat -eben innerhalb der gesetzten Grenzen. Es ist eine Kunst, hier die richtige Balance zwischen Festhalten und Loslassen, Vertrauen und Kontrolle zu finden.
Und selbstverständlich haben sich beide Seiten an den vereinbarten Prinzipien zu orientieren.

- Regelverstösse?
Wenn sie feste Grenzen aufzeigen ist es natürlich auch wichtig, festzulegen, was bei Grenzverletzungen geschieht. Auch hier macht es meist wenig Sinn, ständig zu bitten, sich in stark emotionale Diskussionen hineinzusteigern, zu schimpfen und mit drakonischen Strafen zu drohen. Teenager testen auch aus, wieweit sie gehen können, suchen die Konfrontation und sind oftmals enttäuscht, wenn ihre Eltern sich dann wirklich auf endlose emotional geführte, nicht mehr objektive Streitereien einlassen. Besser ist es, klipp und klar -und zwar gemeinsam mit dem Jugendlichen- festzulegen, was bei Regelverletzungen geschieht und diese Konsequenzen dann auch wirklich ohne wenn und aber in die Tat umzusetzen. Kommt der Teenager nicht wie gegenseitig vereinbart rechtzeitig nach Hause, ist der nächste Kinobesuch eben gestrichen, basta. Somit weiss jeder woran er ist - ohne grosse Diskussion.
Hier liegt auch der Unterschied zur Bestrafung: Strafen sind Machtkämpfe, sagen dem Jugendlichen: Wenn du nicht machst, was ich will, dann..., Strafen sind rückwärtsgewandt. Strafen unterscheiden in Machthaber und Untergebenem.
Bei vereinbarten Konsequenzen bei Regelverstössen weiss der Jugendliche: Ich habe Einfluss auf das Geschehen, ich trage Mitverantwortung, bin gleichberechtigter Partner, ich muss die Konsequenzen meines Handelns tragen.
Wenn ihr Kind trotz allem ständig Vereinbarungen bricht, Konsequenzen in Kauf nimmt, sollten sie sich auch fragen, ob...
... die vereinbarten Konsequenzen zu weitreichend oder für den Jugendlichen in ihrer Tragweite nicht einschätzbar waren und ob die Vereinbarung deswegen abgeändert werden sollte.
.... oder Regelverletzungen absichtlich geschehen, weil der Jugendliche auf diese Weise auf sich aufmerksam machen will. Vielleicht steckt ein ganz anderes Problem dahinter, das er sich aber nicht traut, offen anzusprechen.

- Lob
..spielt natürlich in jedem Alter eine grosse Rolle. Vor allem wenn es häufig zu Reibereien kommt, ist es wichtig, ihrem Kind auch zu zeigen, das sie es wertschätzen und seine Leistungen anerkennen. Glauben sie nicht, nur weil ihr Kind die Tür zuschmeisst oder ihnen den Rücken zudreht, hört es nicht auf ihre Worte. Es registriert im Gegenteil sehr genau und mit starker kindlicher Emotionalität, was Eltern sagen und wie sie handeln und behandeln. Nur die Verarbeitung der empfangenen Informationen erfolgt nicht immer zeitgleich. Auch wenn sie manchmal das Gefühl haben, gegen eine Mauer zu sprechen. Ihr Kind hört sie und verlangt nach Liebe, Vertrauen, Führung und Anerkennung.
Andererseits: seien sie nicht zu grosszügig mit Lob. Lob im Überfluss und grundlos kann die Motivation lähmen. Wofür anstrengen, wenn auch ohne Leistung gelobt wird?
Wenn die Belohnung den Sinn einer Tätigkeit vollends ersetzt, kann das Interesse an der Aufgabe selbst verloren gehen, diese ihren eigentlichen Sinn verlieren. Überspitzt formuliert: Wenn der Jugendliche für den letzten Platz beim Sportturnier gelobt wird, warum soll er sich noch die Mühe machen, auf den ersten Platz zu gelangen?

-elterliche Zärtlichkeiten.
Schliessen sie den Jugendlichen doch mal in ihre Arme. Haben sie Mut zur Zärtlichkeit. Meist gibt es eine Hemmschwelle, den Sohn, der bereits einen Kopf grösser ist, mal zu umarmen, nach dem Motto: aus dem Alter ist er doch draussen. Doch das stimmt nicht. Körperlicher Kontakt, elterliche Zärtlichkeiten sind auch jetzt noch wichtig. Oftmals bewirkt eine wortlose Umarmung mehr als viele Worte.

-Streiten gehört dazu!
Das geht den Eltern doch ebenso. Wenn die Geschwister sich mal wieder so richtig zoffen, versuchen sie nicht sofort mit Macht und elterlicher Gewalt dazwischen zu gehen. Diese Reibereien sind wichtiges Instrument zum erlernen von Konfliktbewältigungsstrategien für das spätere Leben. Hassdas gilt natürlich auch für die Streitereien mit den Eltern. Wichtiger als das Unterdrücken von Streitereien ist in dieser Phase, Möglichkeiten aufzuzeigen, mit Konflikten umzugehen. Das geschieht in erster Linie natürlich auch durch die Vorbildfunktion der Eltern in ihrem eigenen Verhalten. Bleiben sie möglichst unparteiisch, lassen sie die Kinder ihre Argumente vortragen und wiederholen sie die Standpunkte neutral noch mal mit ihren eigenen Worten. Regen sie die Jugendlichen an, eigene Lösungen zu finden.
HassIn vielen Fällen haben Eltern Visionen von total zerstrittenen Geschwistern die sich nur nur in den Haaren liegen, während die Kinder selbst den Streit schon längst vergessen haben. Glauben sie nicht, für alles verantwortlich zu sein und eine konkrete Lösung finden zu müssen. Kinder sind oft viel flexibler und kompromissbereiter, als wir denken.
Ein anderes Thema ist die scheinbar allgemein niedrigere Hemmschwelle zur gewaltsamen Konfliktlösung gegenüber früher. Ob durch Videospiele, Fernsehsendungen oder eine Ellenbogengesellschaft geprägt mag dahingestellt bleiben. Wenn ein Kind nicht schon vor dem schulpflichtigen Alter gelernt hat, Konflikte anders als durch Gewalt zu lösen und sich diese Gewaltbereitschaft verstärkt in der Pubertät zeigt, hat das nichts mehr mit pubertätsbedingten Emotionsschwankungen zu tun, dann liegen gravierende Erziehungsfehler in frühester Kindheit vor.

- Wie sag´ ichs meinem Kind ?
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Lassen sie sich nicht auf Wortgefechte mit ihren Kindern ein. Pubertierende Jugendliche sind manchmal etwas drastisch in ihrer Wortwahl, ohne es wirklich so zu meinen, wie es klingt. Aber wenn man darauf eingeht, steigert sich ein solcher Konflikt manchmal bis zum Kleinkrieg. Dann können Worte fallen, die verletzen, abwerten und vor allem lange nachwirken.
-Nehmen sie Provokationen nicht persönlich, sondern versuchen sie die sachliche Kritik hinter den Worten zu verstehen. Lieber mal einen geordneten Rückzug antreten, tief Luft holen und ein neues Gespräch anfangen, wenn die ersten Emotionen sich gelegt haben.
Betrachten sie bei derartigen Konflikten den Jugendlichen als eigenständige Persönlichkeit mit eigener Meinung, unterdrücken sie nicht seine Ansichten.  Nur wenn der Jugendliche sich ernst genommen fühlt, kommt ein sinnvoller Dialog zustande.
-Überschwemmen sie ihr Kind nicht mit Moralpredigten, Anschuldigungen und Erzählungen aus ihrer eigenen Jugend. Wenn Kinder nicht die Chance erhalten, ihre eigene Meinung auszudrücken, ohne einen elterlichen Redeschwall befürchten zu müssen, ziehen sie sich in ihr Schneckenhaus zurück.
-Zuhören ja, Ausfragen nein. Jugendliche brauchen ihre kleinen Geheimnisse. Sprechen sie über alle wichtigen Themen, aber versuchen sie nicht, bis in die allerintimsten Sphären vorzudringen. Es gibt kleine Geheimnisse, die Jugendliche als Abgrenzung brauchen und die sie nur ihrem Tagebuch anvertrauen. Geben sie ihrem Kind diesen Vertrauensvorschuss.
-Verlassen sie sich nicht nur auf ihre Worte, zeigen sie Gefühle. Machen sie dem Jugendlichen klar, was sie selbst empfinden, damit er sie besser verstehen kann. Sagen sie nicht: Ich will, das du um 10 Uhr zurück bist. Besser: Bitte sei um 10 Uhr zurück, weil ich dir zwar vertraue, mir aber trotzdem Sorgen um dich mache. Zeigen sie deutlich, das es ihnen nicht um Macht und Kontrolle geht, sondern objektive Beweggründe hinter ihren Forderungen stehen.
-Überraschen sie ihr Kind doch mal. Wenn es weiss, dass sie jedesmal ausflippen in bestimmten Situationen, wird daraus vielleicht ein Spiel. Reagieren sie doch mal ganz anders, um diesen Kreislauf zu unterbrechen

-In schlechter Gesellschaft!
Pubertät braucht FreundeWährend kleinere Kinder meist Freundschaften mir Einzelnen pflegen, spielen jetzt vielfach Gruppen eine grössere Rolle. Es bilden sich Cliquen, die gemeinsam etwas unternehmen, eine abgeschlossene Welt für sich bilden. Eine Welt, von der Eltern sich ausgegrenzt fühlen und hilflos zusehen müssen, wie der Einfluss dieser Peergroups auf ihre Kinder zunimmt. Vielfach haben Eltern Angst, ihr Kind könnte auf die schiefe Bahn geraten, sind in diesen Gruppen Jugendliche, vor deren schlechten Einfluss auf die eigenen Kinder man sich fürchtet. Wer hier mit Verboten reagiert, die Clique schlecht redet, provoziert vielfach erst recht Widerstand. Sinnvoller ist es meistens, seine Befürchtungen sachlich zu äussern und dem Jugendlichen zu zeigen, das man trotz aller Befürchtungen Vertrauen in ihn hat.  Im Gegenteil bieten diese Gruppen dem Jugendlichen im kleinen, behütetem Rahmen die Möglichkeit, Situationen des späteren Lebens zu erproben, Erfahrungen zu sammeln.
Generell möchte ich behaupten: Wenn ein Jugendlicher wirklich auf die schiefe Bahn gerät, liegt es nicht am Kontakt mit anderen Jugendlichen. Dann gab es bereits eine Vorgeschichte (Scheidung, liebloses Elternhaus o.ä.) die eine solche Entwicklung förderte.

-Vorurteile sind ein schlechter Ratgeber!
Eltern sprechen von :Drogen, fehlender Motivation, Handyschulden, Konsumsucht, schwierigen Zeiten, Gewaltbereitschaft. Jugendliche sagen. Scheiss Schule, Zukunftsangst, die Eltern und Lehrer verstehen uns nicht, Alles ist verboten.
Eigentlich hat sich eines nicht verändert. Auf beiden Seiten gibt es oftmals vorgefertigte Meinungen, die ein Zusammenleben zusätzlich erschweren. Aber wenn man mal zurückschaut, war das eigentlich schon immer so. Sicherlich haben sich die Probleme in ihrer Struktur verändert, unterliegt unsere Gesellschaft einem immer rascherem Wandel. Aber wer als Erwachsener wirklich behauptet, zu seiner Zeit hätte “es solche Probleme nicht gegeben”, verschweigt, das es dafür andere genauso schwerwiegende gab. Begegnen sie der heutigen Jugend offen und ohne Vorurteile, Objektivität erleichtert das Zusammenleben.
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