Verrückte Welt

Es  war  einmal eine große Schildkröte, die hieß  Emma , und eine kleine Schildkröte, die war nur so groß wie ein Brötchen. Deshalb nannten wir sie Fischbrötchen. Sie wohnten in unserem großen Aquarium und eines Tages passierte es dann: Emma kletterte auf ein Stück Holz, das in dem Aquarium schwamm, und sonnte sich. Fischbrötchen kletterte ebenfalls auf  das Holz  und weiter auf Emmas Rücken und sonnte sich auch.
Aber Emma wurde böse und  schüttelte sich.
Bums fiel Fischbrötchen aus dem Aquarium und landete auf dem Teppich.
Und weil Fischbrötchen sehr neugierig war , krabbelte es durch das Zimmer auf den Balkon, streckte den Kopf durch die Balkongitter und sauste weiter –sssssssst- bums, mitten ins Erdbeerbeet. Zuerst aß Fischbrötchen sich an den Erdbeeren richtig satt.
Dann krabbelte sie weiter und kam zu einem Grashaufen. In den wühlte sie sich rein, um zu schlafen, aber da kam der Bauer Wagner mit dem Traktor angerattert. Er lud den Grashaufen auf den Traktor und fuhr zurück ins Dorf. Er nahm den Traktor und fuhr butt ,butt, butt zurück ins Dorf. Er nahm den Haufen Gras und brachte ihn in den Kuhstall.
“Da, Liese ,hast du dein Mittagessen .Und guten Appetit!”  Die Kuh fing an zu fressen,  da war plötzlich  von ihr ein Tier , das hatte sie in ihrem  ganzen Leben noch nicht gesehen .
“Wer bist du?“ fragte die Kuh.  „Ich bin eine Schildkröte und heiße  Fischbrötchen“  sagte Fischbrötchen. “Und wer bist du?”  „ Ich bin eine Kuh -  das  weiß doch jeder“  sagte die Kuh. “Und warum hast du zwei Kleiderhaken am Kopf?” fragte Fischbrötchen. “Das sind doch keine Kleiderhaken - das sind meine Hörner” sagte die Kuh entrüstet. “Und warum hast du so einen komischen roten Waschlappen im Maul?” fragte Fischbrötchen. “Das ist doch kein Waschlappen - das ist meine Zunge!” antwortete die Kuh. “Und warum hast du zwei schwarze Pinsel neben den Kleiderhaken?” “Das sind keine schwarzen Pinsel - das sind meine Ohren!” sagte die Kuh. 
“Und warum hast du so einen grossen Handschuh zwischen den Beinen?” fragte Fischbrötchen. “Das ist kein Handschuh - das ist mein Euter, damit gebe ich Milch!” “Und warum hast du einen Strick am Hintern?” fragte die Schildkröte. “Das ist doch mein Schwanz - damit verscheuche ich die Fliegen!” sagte die Kuh. “Und warum hast du dir einen schwarzweißen Bettvorleger um den Bauch gebunden?”  “Das ist kein Bettvorleger - das ist mein Fell!” murrte die Kuh, und fragte: “Aber was hast du denn für ein komisches Fell? Das sieht ja aus wie ein altes Knäckebrot!”
“Das ist kein Fell - das ist mein Schildkrötpanzer!” sagte Fischbrötchen, “und da kann sogar eine Kuh drauf stehen” “Was?” sagte die Kuh, “unglaublich, das muss ich gleich mal ausprobieren.”  Und sie versuchte, sich mit allen vier Beinen auf Fischbrötchen zu stellen. Aber sie rutschte aus, kullerte durch den Kuhstall und flog gegen die Kuhstalltüre. Die Tür flog auf und die Kuh kullerte mitten auf den Bauernhof. “Ach du meine Güte!” rief die Bauersfrau, warf vor Schreck den frischen Pflaumenkuchen auf den Misthaufen, lief tripp, tripp, trapp die Treppe hoch, machte die Haustüre zu, lief durch den Flur, riss die Küchentür auf und und sagte aufgeregt zum Bauern: “Bauer, bei uns im Kuhstall ist ein Monster, das hat gerade die Kuh zum Kuhstall rausgekullert” !
” Was?”, sagte der Bauer und bekam Angst. Aber dann setzte er seinen Feuerwehrhelm auf, schlich auf Zehenspitzen über den Hof zum Kuhstall, guckte vorsichtig durchs Kuhstallfenster ist - und was sah er da? Eine Schildkröte, die nicht grösser als ein Brötchen war. “Aha”, sagte der Bauer, “ich weiß wo du herkommst” Er brachte Fischbrötchen zu uns zurück und jetzt sitzt sie wieder in unseren Aquarium.
“Gibt es ausser uns noch andere Tiere auf der Welt?”, fragte Emma.
“Ja, die Kühe”, sagte Fischbrötchen. “Und die haben auch einen Panzer wie wir?” fragte Emma. “Nein, die haben Hörner, Ohren, eine Zunge, einen Euter einen Schwanz, und ein schwarzweißes Fell!”  “Was”, meinte Emma erstaunt,  ”das verstehe ich nicht!”
“ Wenn du es nicht verstehst, werde ich es dir erklären”, meinte Fischbrötchen:
 “Kühe sind ganz große Tiere. Die haben Kleiderhaken und schwarze Pinsel am Kopf, einen großen Handschuh zwischen den Beinen und einen roten Waschlappen im Maul. Sie haben einen Strick am Hintern und einen schwarzweißen Bettvorleger um den Bauch gewickelt. Und sie wohnen in einem riesengroßen Aquarium, da sind sogar Fenster drin und auf dem Boden liegt Stroh und Spinat.
“Unglaublich” erwiderte Emma und dachte noch lange über Fischbrötchens Geschichte nach.

ENDE