Fantasiereisen für Lehrer, Erzieher und Betreuer

Die folgenden Fantasiereisen wenden sich diesmal nicht an Kinder, sondern sind als Möglichkeit für Lehrer gedacht, einmal ihre eigenen Einstellungen zur Schulklasse zu erfahren.
Dazu gehört sicherlich viel Vertrauen und Mut, vor dem versammelten Lehrerkollegium eine Maßnahme dieser Art durchzuführen. Sicherlich ist es aber auch eine interessante Selbsterfahrung.
Weitere Möglichkeit, diese Reisen anzuwenden wären z.B. auch Supervisionen, Behindertenheime  oder Kindergärten. Dazu bräuchte man nur einige Worte auszutauschen. Statt Weg zur Schule halt Weg zum Kindergarten etc.
Diese Reisen sind der Seite des Schulministeriums NRW entnommen, es handelt sich also um “offizielles Material”

Fantasiereisen für Lehrer und Lehrerinnen

Ziele

Schulsituation erinnern / Mädchen und Jungen wahrnehmen / Interaktionsverhalten fokussieren

Mit dieser Phantasiereise werden Lehrerinnen und Lehrer zu einer persönlichen Bestandsaufnahme in ihr eigenes Klassenzimmer geführt. Ihr Blick richtet sich zunächst auf die Gesamtgruppe, um dann ein einzelnes Kind, das ihnen besonders auffällt, intensiv anzuschauen und mit ihm in Kontakt zu treten.

Fantasiereisen für Erwachsenen

Organisation

Es sind keine besonderen Vorbereitungen zu treffen. Alle TN sollten in einer ruhigen Atmosphäre eine entspannte Haltung einnehmen.

Material zum Malen oder Schreiben muss am Anfang ausgeteilt werden, damit die Konzentration später nicht gestört wird.

Anweisungen 

1. Entspannung:

Setz dich bequem hin - schließe die Augen - konzentriere dich auf dich selber - alle Geräusche um dich herum werden unwichtig. Spüre nach, wie du sitzt und beginne, dich zu entspannen - atme ruhig aus und ein - finde deinen eigenen Atemrhythmus.Und jetzt lass die Anspannung los: deine Zehen - deine Fußgelenke - deine Waden - deine Oberschemkel - deinen Po. Schicke deinen Atem in deinen Bauch und spüre nach, wie die Bauchdecke sich hebt und senkt. Lockere dein Zwerchfell - deine Brust - deine Schultern - gebe die Entspannung weiter in die Oberarme - in die Unterarme - in die Finger. Und auch deinen Kopf lass los - entspanne deinen Nacken - die Kopfhaut - die Stirn - die Wangen - das Kinn - die Zunge - genieße die Ruhe und lasse deinen Atem frei durch deinen Körper fließen.

2. Gelenkte Phantasie:

Jetzt begib dich auf deine Gedankenreise....

Es ist Morgen, du bist zu Hause und machst dich auf den Weg zur Schule, du verlässt dein Haus, nimmst den üblichen Schulweg und kommst an deiner Schule an. Du betrittst das Gebäude, gehst kurz in das Lehrerzimmer und dann machst du dich auf den Weg in deine Klasse. An diesem Morgen sind die Kinder schon im Klassenraum. Du bleibst an der Tür stehen und beobachtest die Gruppe...Lass dir Zeit und achte darauf, welche Kinder dir in den Blick kommen...Ein Kind erregt deine besondere Aufmerksamkeit...Wer ist es?

Schau dir das Kind genau an: Seine Körperhaltung, seine Bewegungen, seine Gestik, seine Mimik. Was tut das Kind gerade? Zu wem hat es besonderen Kontakt? Wo ist sein Platz im Raum? Welche Beziehung hast du zu diesem Kind? Welche Gefühle spricht es in dir an? Wie verhältst du dich ihm gegenüber üblicherweise? Und jetzt tritt in Kontakt mit diesem Kind: Was tust du? Was sagst du? Was tut und sagt das Kind?

Bleibe noch einen Moment bei dieser Situation... 

3. Rückführung:

Dann verabschiede dich von dem Kind - von deiner Klasse - gehe wieder den Flur entlang - aus der Schule heraus - und kehre langsam in diesen Raum hier zurück... Bevor du die Augen öffnest, atme tief durch - balle die Hände zu Fäusten - löse sie wieder - recke und strecke dich - und öffne dann langsam die Augen...

4. Auswertung

individuell: Bevor wir uns jetzt unterhalten, beantworte für dich folgende Fragen: Wie hat sich das Kind verhalten? Wie bist du mit ihm in Kontakt getreten? Du kannst zu dem, was du gesehen hast, malen oder schreiben!

in Klein- oder Großgruppen: Die TN berichten - soweit sie möchten - von ihrer Phantasie und beantworten die oben benannten Fragen. Die Moderatoren schreiben wichtige Aussagen mit auf Plakatpapier oder Folie.

in der Großgruppe: Folgende Impulse können einer abschließenden Gesprächsrunde dienen: Sind uns mehr Mädchen/Jungen aufgefallen? War das beobachtete Verhalten „geschlechtstypisch"? Wodurch war die Kontaktaufnahme geprägt? War die Interaktion durch das Geschlecht des Kindes beeinflusst?

Reflexion 

Die Bearbeitung und Reflexion im Anschluss an die Phantasiereise kann nur dann im Plenum vorgenommen werden, wenn die TN dazu bereit sind und die Gruppe bereits einen vertrauensvollen Umgang miteinander hat. Wünsche des Nicht-öffentlich-machens sind unbedingt zu respektieren. Angeboten werden kann auch eine Reflexion im Zweiergespräch oder in einer Kleingruppe. 

Phantasiereise für Lehrer und Lehrerinnen

Ziele

Das Aufspüren der eigenen Vorstellungen von „Weiblichkeit" und „Männlichkeit" kann den Blick der TN schärfen für den pädagogischen Alltag und dafür, was Mädchen- und Junge-Sein in unserer Gesellschaft bedeutet.

Fantasiereisen für Erwachsenen

Organisation

Es sind keine besonderen Vorbereitungen zu treffen. Alle TN sollten in einer ruhigen Atmosphäre eine entspannte Haltung einnehmen.

Anweisungen

1. Entspannung:

Setz dich bequem hin - schließe die Augen - konzentriere dich auf dich selber - alle Geräusche um dich herum werden unwichtig. Spüre nach, wie du sitzt und beginne, dich zu entspannen - atme ruhig aus und ein - finde deinen eigenen Atemrhythmus. Und jetzt lass die Anspannung los: deine Zehen - deine Fußgelenke - deine Waden - deine Oberschenkel - deinen Po. Schicke deinen Atem in deinen Bauch und spüre nach, wie die Bauchdecke sich hebt und senkt. Lockere dein Zwerchfell - deine Brust - deine Schultern - gebe die Entspannung weiter in die Oberarme - in die Unterarme - in die Finger. Und auch deinen Kopf lass los - entspanne deinen Nacken - die Kopfhaut - die Stirn - die Wangen - das Kinn - die Zunge - genieße die Ruhe und lasse deinen Atem frei durch deinen Körper fließen.

2. Phantasie:

Denke an die Zeit zurück, in der du in der 7. Klasse, vielleicht auch in der 8. Klasse warst... Lass dir Zeit dabei, lass die Bilder kommen... Vielleicht siehst du deine Schule vor deinem inneren Auge... Geh in das Gebäude hinein... Vielleicht erinnerst du dich an die Flure, deinen Klassenraum... Schau dich um... Vielleicht kommen dir Gerüche, Farben wieder in den Sinn... Erinnere dich daran, wer neben dir saß... War es ein Mädchen... Vielleicht deine beste Freundin... Oder war es ein Junge... Erinnere dich an andere Schülerinnen und Schüler in deiner Klasse... Denk an dein Verhältnis zu den Mädchen und Jungen in deiner Klasse... Vielleicht kommt dir jetzt eine besonders gute Freundin/ Freund in deiner Klasse in den Sinn... Denk an die Themen, die euch damals beschäftigt haben... Erinnere dich an dein Verhältnis zu Jungen/Mädchen in dieser Zeit... Wie war es... Denke daran, wie dein Körper sich verändert hat... Versuche noch einmal zu spüren, wie du es empfunden hast... Vielleicht fällt dir ein Erlebnis ein, was du damals hattest... Was dich besonders beschäftigt hat... Und du erinnerst dich daran, was du dir in dieser Situation besonders gewünscht hast... Schau dir noch einmal alles ganz genau an...

3. Rückführung:

Dann verabschiede dich von der Situation - und kehre langsam in diesen Raum hier zurück... Bevor du die Augen öffnest, atme tief durch - balle die Hände zu Fäusten - löse sie wieder - recke und strecke dich - und öffne dann langsam die Augen...

Reflexion

Diese Phantasiereise verlangt größte Vertrautheit und eine absolute Bereitschaft der Lehrerinnen und Lehrer; geht es hier doch um einen Zugang zu der eigenen Mädchen-/Jungenzeit, der auch unbewusste Erlebnisse und Erfahrungen ansprechen kann. Die sich anschließenden Reflexionsphase gestaltet sich entlang der angegebenen Fragestellung nach der Befindlichkeit der Teilnehmenden. z.B.: Welche Bilder sind Ihnen/euch gekommen? 

            Quelle: Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung 1997, 29f

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