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Placebo-Effekt

Körpereigene Schmerzmittel am Placebo-Effekt beteiligt.
24.08.2005  Amerikanische Wissenschaftler haben entdeckt, warum auch wirkstofffreie Placebos Schmerzen lindern können: Der Glaube und die Erwartung, ein schmerzlinderndes Mittel zu bekommen, animiert das Gehirn zur Produktion körpereigener Schmerzmittel, so genannter Endorphine. Diese setzen die Schmerzempfindlichkeit herab - auch dann, wenn gar kein zusätzlicher Wirkstoff verabreicht wird.
Lange Zeit galt der Placebo-Effekt als reine Einbildung. Erst während der vergangenen Jahre entdeckten Wissenschaftler, dass die aus vielen Berichten bekannte Wirkung eigentlich wirkstofffreier Medikamente durchaus eine körperliche Ursache hat: Die Placebo-Medikamente - unter anderem Scheinschmerzmittel - aktivieren nämlich dieselben Gehirnregionen wie die echten Wirkstoffe. Was in den aktivierten Hirnarealen der Getäuschten tatsächlich abläuft, war bislang allerdings unbekannt.
Bereits in früheren Studien gab es jedoch Hinweise auf eine Beteiligung des so genannten Endorphinsystems: Als Reaktion auf Schmerzreize kann der Körper natürliche opiumähnliche Substanzen bilden, die an bestimmte Erkennungseiweiße auf Nervenzellen andocken und so die Weiterleitung des Schmerzreizes blockieren.
Um diese These zu testen, erzeugten die Forscher bei den 14 gesunden Freiwilligen künstlich Schmerzen, indem sie ihnen eine Salzlösung in den Kiefermuskel spritzten. Nach einer gewissen Zeit erklärten die Wissenschaftler den Probanden, sie würden ein Schmerzmittel erhalten, verabreichten ihnen jedoch lediglich ein Scheinmedikament. Gleichzeitig scannten die Forscher die Gehirne der Testteilnehmer, wobei sie mithilfe einer speziell markierten Substanz direkt sehen konnten, ob und wo im Gehirn das Endorphinsystem der Probanden aktiv war.

Das Ergebnis war eindeutig: Kurz vor und während der Placebo-Gabe erhöhte sich die Endorphinausschüttung in vier für die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen zuständigen Gehirnregionen. Gleichzeitig empfanden die Probanden deutlich weniger Schmerz. Je höher die Aktivität des Endorphinsystems dabei war, desto ausgeprägter war auch die Schmerzlinderung. "Diese Ergebnisse sind ein weiterer gravierender Schlag für die These, dass der Placebo-Effekt ein rein psychologisches Phänomen ist", kommentiert Studienleiter Zubieta.

Die Wissenschaftler wollen den Effekt nun auch bei Schmerzpatienten und anderen Probandengruppe untersuchen. Die Entdeckung könnte ihrer Ansicht nach die Basis für die Entwicklung psychotherapeutischer und psychologischer Ansätze zur Schmerzbehandlung sein.

Hilfe auch bei emotionaler Belastung
16.06.2005  Placebo-Medikamente können nicht nur Schmerzen lindern, sondern helfen auch bei emotionaler Belastung. In beiden Fällen wird durch das Placebo eine bestimmte Gehirnregion messbar aktiviert, haben schwedische Forscher herausgefunden. Eine wichtige Rolle spielt dabei, was sich die jeweilige Versuchsperson von dem Medikament erwartet, erklären die Forscher um Predrag Petrovic.

Mediziner wissen seit Langem, dass Placebos bei körperlichen Beschwerden helfen können. Die Wirkung dieser Mittel zeigt sich nicht nur im subjektiven Empfinden der Patienten, sondern ist auch im Gehirn direkt messbar, haben frühere Studien gezeigt. Ähnlich wirken sie auch auf emotionaler Ebene, wie Petrovic und seine Kollegen nun in ihrer Studie zeigen konnten.

Die Forscher ließen dafür 15 Freiwillige unangenehme Bilder etwa verstümmelter Körper betrachten. Am ersten Tag gaben sie den Probanden ein wirksames Medikament gegen die dabei auftretenden Beklemmungen. Am nächsten Tag mussten die Versuchspersonen die gleichen Bilder betrachten, erhielten dieses Mal jedoch - ohne es zu wissen - nur ein Placebo-Mittel. Zugleich beobachteten die Wissenschaftler über funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) die Reaktionen im Gehirn der Probanden.

11 der 15 Testpersonen berichteten nach dem Versuch, dass ihre Beklemmung auch bei der Placebo-Behandlung deutlich, teilweise fast um ein Drittel nachgelassen habe. Diese subjektive Empfindung wurde durch die fMRT-Messung bestätigt: Das Placebo reduzierte - ähnlich dem echten Medikament - nachweislich die Aktivität der Emotionszentren im Gehirn. Auffallend war, dass zudem durch das Scheinmittel das gleiche Netzwerk im Gehirn aktiviert wurde wie bei der Placebo-Schmerzbehandlung.

Entscheidend bei der Placebo-Wirkung war die individuelle Erwartungshaltung, betonen Petrovic und seine Kollegen. Je stärker das Medikament am ersten Tag gewirkt hatte, desto stärker war auch die subjektive und objektive Wirkung des Placebos am zweiten Tag. Da dabei offenbar sowohl auf körperlicher als auch auf emotionaler Ebene ähnliche Mechanismen im Gehirn ablaufen, könnte es sich bei dem Placebo-Effekt um einen generellen Prozess handeln - stark abhängig von den jeweiligen Erwartungen der betroffenen Person.

(ddp)

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